Nicht allein sein

Miteinander reden, lachen und spielen: Das ermöglicht die Wochenendstube Winterthur einsamen Menschen.

 «Das hier ist gelebte Nächstenliebe» sagt Thomas, ein Besucher der Wochenendstube in der Wartstrasse in Winterthur. «Es gibt einen festen Kern von Leuten, die regelmässig hier sind, es kommen wenig ganz Neue vorbei.» An diesem regnerischen Sonntagnachmittag sind es kurz nach Öffnung der Räume bereits fünf Gäste, die sich bei einer Tasse Kaffee oder Tee um einen grossen Tisch den von einer Bäckerei aus Brütten gestifteten Leckereien widmen. Obwohl nicht alle die gleiche Sprache sprechen, verstehen sie sich und lachen viel miteinander. «Später werden noch einige dazu kommen», sagt Jeanette Hofmann, die heutige Gastgeberin. Durchschnittlich seien es 12-15 Personen, die jeweils am Samstag und Sonntag die Möglichkeit nutzen, nicht allein zu sein. Die Lage wäre sehr zentral, aber man muss schon wissen, wo die Räume sind: Es gibt kein grosses Schild an der Hauswand. Die Webseite gibt da klarere Informationen über Öffnungszeiten und den Standort.

Neben anderen Partnern engagieren sich hier die katholische Kirchgemeinde Winterthur als Vereinsmitglied mit hoher Beitragszahlung, sowie der Vinzenzverein der kath. Pfarrei St. Peter und Paul. Spendengelder und Mitgliedsbeiträge des Trägervereins Sozialwerk Wartstrasse machen dieses Gratisangebot für einsame Menschen möglich, genauso wie die Nutzung der angemieteten Räumlichkeiten von anderen Gruppen, deren Zielsetzungen mit jenen des Trägervereins vergleichbar sind.

«Es ist ein Geben und Nehmen», beschreibt Jeanette Hofmann ihren Einsatz. Sie kann für andere Menschen da sein und ihnen das Alleinsein am Wochenende etwas erleichtern. Ihr selber gibt das die Balance, die sie braucht, um einen manchmal einseitigen Blick auf die Menschen zu vermeiden und offener für Andere zu sein. Wie die etwa 30 weiteren Mitarbeitenden ist sie heute für das Wohl der Besucherinnen und Besucher da. Sie serviert Getränke, spült ab, wischt mit einem Lappen über den Tisch. Es sind ganz einfache Handlungen, aber mit diesen gibt sie den Gästen die Wertschätzung und Aufmerksamkeit, die ihnen im Alltag ihres Alleinseins oftmals fehlen. Und diesem Alltag ein bisschen zu entfliehen und sich hier wohlzufühlen, ist z.B. für Markus* das Wichtigste. 

*Name geändert 

www.wochenendstube.ch

 

Text: Oliver Sittel