Mails voller Not und Dankbarkeit

Das Internet war in der Schweiz kaum angekommen, als der reformierte Pfarrer Jakob Vetsch zusammen mit einem Informatiker sein Potential für die Seelsorge erkannte. Seit der Gründung von seelsorge.net haben über 18 000 Menschen in der Schweiz per E-Mail Unterstützung gesucht.

«Ich denke ab und zu an Deine Worte, die mich über ein halbes Jahr begleitet haben. Ich bin Dir so dankbar dafür!» Reaktionen wie diese erreichen die Beratenden von der Internetseelsorge oft. Die «User», die einer vergleichsweise jungen Generation angehören, schätzen das Angebot von seelsorge.net. Oft gelangen sie im Schutz des anonymen Internets an die Seelsorgenden mit Sorgen und Nöten, die sehr intim und gerade in religiösen Kreisen häufig schambesetzt sind: Beziehungen, Sexualität, Einsamkeit, Suizidgedanken.

2014 wurde seelsorge.net von 952 Personen genutzt, die ein oder mehrere Mails schrieben. Die Mehrheit stammte aus der Deutschschweiz, wobei das Angebot auch auf Französisch und Italienisch zugänglich ist. Die Mails werden von 18 Seelsorgern beantwortet. Diese sind in den beiden grossen Landeskirchen tätig oder beheimatet – seelsorge.net ist seit Anbeginn ökumenisch – und üben ihren Dienst ehrenamtlich aus. «Wir decken zusammen so viel Arbeit ab wie eine durchschnittliche Pfarrgemeinde», sagt Maria Weibel, Paartherapeutin und Beraterin bei seelsorge.net.

Das Budget beträgt für das laufende Jahr 182 000 Franken. Der Grossteil des Geldes stammt aus kirchlichen Institutionen.