Beseelte Dinge: Meine Gitarre

Im bolivianischen Bezirk Sapahaqui leben mehr als 95 Prozent der Bevölkerung unter der Armutsgrenze. Nur 23,5 Prozent der Gemeinden verfügen über ein Trinkwassersystem mit Hausanschluss.

Das Dorf Poopo liegt in einem grünen Tal südwestlich von La Paz, umgeben von kargen Felsen und hohen Bergen. Doch das Dorf ist nur auf den ersten Blick eine idyllische Oase. Denn mit dem Wasser des salpeterhaltigen Sapahaqui-Flusses können die Bauernfamilien zwar ihre Felder bestellen, aber nicht den Durst löschen. 

Diter Sanizo (22) steht im Tomatenfeld und blickt über die weite Landschaft. Im Hintergrund ist die Grossfamilie bei der Ernte; Diters Frau Silvia Choque (18) trägt den fünfmonatigen José in einem Tuch auf den Schultern. «Die Feldarbeit ist anstrengend, die Sonne brennt auf uns herab. Doch oft bleiben wir durstig, weil wir nicht genügend Wasser haben», sagt der junge Vater. Die Familie trägt das kostbare Nass auf vielen Wegen zusammen: Sie sammelt Regenwasser und bringt Trinkwasser in Kanistern aus der Nachbargemeinde und aus der Hauptstadt La Paz – ein ebenso teures wie aufwändiges Verfahren. Erst wenn gar kein Wasser mehr da ist, holt Diter zu Fuss Süsswasser aus einem nahe gelegenen Fluss, der aber stark verschmutzt ist.

Und trotz all dieses Aufwands: Das Trinkwasser ist mehr als knapp. Darum nutzt die Familie den ebenso salzigen wie verschmutzten Bewässerungskanal, um sich selbst und die Wäsche zu waschen, manchmal sogar zum Kochen. Dass dies nicht gesund ist, weiss Vater Diter: «No hay otra – es bleibt nichts anderes übrig.» Ein Wunder, dass der kleine José seine ersten Monate so gut überstanden hat, abgesehen von ab und zu einem Durchfall und salzigen Rückständen auf der Haut.

Der Sapahaqui-Fluss ist Segen und Fluch für die Bewohner von Poopo. Er ermöglicht den Bauern zwar ein Auskommen, in der Trockenzeit jedoch müssen die Familien das wenige Wasser aufteilen oder die Bewässerung ganz einstellen, weil die Pflanzen die Konzentration von Salz nicht vertragen.

Doch nun wird das Leben einfacher: Dank der Unterstützung von Caritas können die Familien bei ihren Häusern Systeme für die Sammlung von Regenwasser installieren. Diter hat seinem Schwiegervater bei den ersten Bauarbeiten geholfen, hat Ziegel geschleppt und Zement gemischt. Wenn die Anlage fertig ist und der Regen kommt, wird die Familie genügend Wasser haben, um während der Feldarbeit den Durst zu löschen – und manchmal sogar genug, um sich zu waschen. Und der kleine José wird mehr Chancen auf ein gesundes und glückliches Leben haben.

Text: Oliver Sittel