Des Fröleins da capo

Mit ihren Geschichten und Mundart-Liedern parliert und singt sich Frölein Da Capo in die Herzen des Kleinkunstpublikums. Ihr eigenes grosses Herz zeigt die Willisauerin nun auch als Botschafterin des Kinderhilfswerks Kovive.

Die Zufahrtsstrasse in Willisau schlängelt sich steil den Berg hinauf. Kurve reiht sich an Kurve, dann ist man endlich angekommen auf dem Bauernhof, wo Irene Brügger zusammen mit Familie, Eltern und Grossmutter lebt. Die Lage ist idyllisch, die Aussicht ins Napfgebiet grandios. Kein Wunder, gefällt sich das Frölein als Provinz-Diva, was, wie Irene Brügger schalkhaft schmunzelt, doch eigentlich nichts anderes heisse als Landpomeranze. Entspannt und mit dem ihr eigenen Charme empfängt sie den Besuch aus der Zürcher «Grossstadt» in adrettem Jupe und wie gewohnt roten Pumps. Mehr als 20 Paare besitzt sie davon, da ist es auch nicht so schlimm, wenn jetzt ein Absatz in der Wiese schmutzig wird oder auf der Leiter Kratzer abkriegt.

Die roten Schuhe passen perfekt zu den gleichfarbigen Luftballons, mit denen das Frölein als Botschafterin für Kovive wirbt. Das Kinderhilfswerk aus Luzern setzt sich seit 61 Jahren dafür ein, armutsbetroffenen Kindern Ferien bei Gastfamilien oder in Jugendlagern zu ermöglichen. «Ich finde das eine grossartige Sache und möchte Kovive bei ihren Projekten – und bei der Suche nach Gastfamilien – unterstützen. Wer wie ich als junger Trübel selber einmal in einer Gastfamilie, im Welschlandjahr, im Musik-, Sport- oder sonst einem Jugendlager war, kann sich vorstellen, wie prägend und unvergesslich derartige Erlebnisse sind.» Zudem, sagt die Mutter zweier Kinder, brauche jedes Kind, egal aus welchen sozialen Verhältnissen, Aufmerksamkeit und Liebe. Bei einer Gastfamilie finden benachteiligte Kinder eine Familienstruktur, die ihnen Halt gibt. Im Lager dürfen sich die Kinder und Jugendlichen entfalten. In den begleiteten Familienferien haben Kinder und Eltern Zeit füreinander. Ein Engagement, das Irene Brügger aus vollem Herzen unterstützt.

So, wie sie alles mit Herzblut tut: Singen, musizieren, schauspielern, zeichnen, basteln, nähen, Kolumnen schreiben, bloggen, gestalten... «Ich bin ein Multitalent», gibt sie lachend zu, «eine, die gerne um die Ecken denkt und immer noch einen Schritt weitergeht. Das macht mich kreativ – und wohl auch ein wenig hyperaktiv.»

Als Einfrau-Orchester reizt die Willisauerin alle Musiksparten aus: Sie rockt, was das Zeug hält, spielt den Blues so sinnlich und den Tango so erotisch, wie sie gespielt werden sollen – und schreckt auch vor einem erfrischen Jodel nicht zurück. Ihre Lieder begleitet sie mit Trompete, Euphonium, Gitarre und Klavier – und mit ihrem Loop-Gerät, mit dem sie Chor und Orchester kreiert und dem sie einen Teil ihres Namens verdankt: Da capo.

Und welche Bewandtnis hat es mit dem Frölein? «Die Fröleins der 50er und 60er Jahre verkörperten vieles, was ich einesteils um des Effekts willen mag und gleichzeitig parodieren kann. Wunschdenken ist nicht dabei, die Figur hat eine rein optische Aufgabe. Sie ist adrett und gefällig, mit einem Hauch von Naivität behaftet, stets gepflegt und konform, was mir viel Spielraum für Kritik, Komik und Interpretation lässt. Natürlich auch für Überraschungen – welches senkrechte Frölein in der Zeit hätte schon Posaune oder Trompete spielt? Das war damals nur im Zirkus zu sehen, oder bei Damenkapellen in Nachtclubs mit Milieu-Einschlag», sagt Irene Brügger.

Der Weg zur publikumswirksamen Profi-Show im selbstgenähten Petticoat bahnte sich früh an. «Eigentlich begann es schon mit Verkleidungsorgien im Estrich und spontanen Auftritten im Familienkreis, es folgten Kindertheater-Aufführungen, Auftritte als Trompeterin im Dorfverein, als Bandfrontfrau und A-Cappella-Sängerin, bis ich mich 2006 entschloss, als Frölein Da Capo solo aufzutreten.» Dann ging es mit dem kleinen Prix Walo, CD’s, der Hauptrolle im Film «Der Sandmann» und Auftritten bei Giacobbo/Müller sowie auf unzähligen Bühnen Schlag auf Schlag weiter. «Ich bin eben ein Sonntagskind», sagt Irene Brügger Augen zwinkernd und verhehlt dann doch nicht, dass dieser Erfolg auch harte Arbeit war. «Von der Muse geküsst zu werden – das ist ein Mythos...» Und wenn’s mal eng wird in ihrem Musikzimmer im Luzerner Hinterland, dann setzt sich das Frölein auf’s Töffli und dreht so viele Runden, bis die locker-flockigen Texte wieder sprudeln. Da capo.

Text: Pia Stadler