Singen und beten bei der Schwarzen Madonna

Einmal im Jahr pilgern Schweizer Afrikanerinnen und Afrikaner nach Einsiedeln. Das ist Musik und Rhythmus, Gebet und Gesang, Lebensfreude ebenso wie Mittragen grosser Not.

«The black madonna welcomes you – die schwarze Madonna heisst euch willkommen», so begrüsste Abt Urban Federer die rund 350 afrikanischen Pilgerinnen und Pilger aus der ganzen Schweiz in der Einsiedler Klosterkirche am 29. August. Vor dem Gottesdienst zog die Schar singend und betend dem Kreuzweg entlang, stille Momente wechselten mit rhythmischen Antwortgesängen in französisch, englisch oder deutsch, dazwischen ein Lied in der eritreischen Sprache Tigrinya und jetzt im Gottesdienst Gebete im nigerianischen Igbo.

Die leuchtend farbigen, traditionell afrikanischen Gewänder und Kopfbedeckungen kontrastieren mit dem barocken gold-grün-rosa der Klosterkirche. In den vorderen Bänken sitzen die afrikanischen Chöre aus Zürich, Fribourg, Biel und Jura, begleitet von einer kleinen Band mit elektrischer Gitarre und Bongos. Zum Gesang stehen die Chormitglieder auf, klatschen und bewegen sich.

In den hinteren Bänken beten die Gläubigen aufmerksam mit, doch Gesang und Rhythmus schwappen nicht über. «Es ist fast unmöglich, Lieder zu finden, die alle singen können», sagt Pfarrer Benignus Ogbunanwata aus Pfungen, Regionalverantwortlicher für die Wallfahrt aus Zürich. «Hier kommen Menschen aus unzähligen Nationen und Sprachen zusammen».

Die ruhigen, gesammelten Eritreer singen in ihren Gottesdiensten ganz andere Lieder als die lebhaften Nigerianer oder die Menschen aus Kamerun. Doch sie alle sind glücklich, dass es diese Wallfahrt gibt: «In unserem Land ist uns Maria sehr wichtig», sagt Berhe Teweld, der junge Vizepräsident der eritreisch-katholischen Gemeinde in Zürich. «Es ist wunderschön, dass wir hier zusammen feiern können.»
In den Fürbitten wird die Not der Heimatländer und der Menschen auf der Flucht vor Gott getragen, ebenso wie die Dankbarkeit um die neue Heimat und die Bereitschaft, hier zur Gemeinschaft beizutragen.

Die Idee zur afrikanischen Wallfahrt, die zum 5. Mal stattfindet, hatte Marco Schmid, damals Direktor von Migratio, der Dienststelle der Schweizer Bischofskonferenz für die Migranten-Seelsorge. «Die Menschen aus Afrika sollen einen Ort finden, wo sie ganz Katholiken und ganz Afrikaner sein können», sagt er. Wie auch in Pfungen, wo um Pfarrer Ogbunanwata eine Igbo-Afrikagruppe entstanden ist – aus der Erfahrung der Afrika-Wallfahrt.

Nach dem Gottesdienst gibt es ein reichhaltiges Buffet mitgebrachter Speisen. Die Menschen essen, singen, trommeln und tanzen, mitten unter ihnen der für die Migrantenseelsorge zuständige Bischof Jean-Marie Lovey und viele weisse Freunde des Afrikanischen Kontinents.

 

 

Text: Beatrix Ledergerber-Baumer