Wo wohnt Gott?

Er sei Gott im Weltraum nicht begegnet. Dieses Wort wurde dem Astronauten Juri Gagarin in den Mund gelegt, um die atheistische Einstellung argumentativ stützen zu können. Die Vor-Ort-Visite an den Orten, an denen gläubige Menschen seiner Ansicht nach Gott wähnen, hatte keinen Thron Gottes und schon gar nicht Gott selbst zum Vorschein gebracht.

Für Menschen, die mit biblischen und kirchlichen Aussagen vertraut sind, verursacht dies keine Aufregung. Natürlich lässt sich Gott nicht derart im Weltraum dingfest machen! Abgesehen davon, dass Gott nicht mit leiblichen Augen sichtbar ist, liegt auch beim Ort der Suche ein Irrtum vor. Gott ist nicht in einem räumlich lokalisierbaren «Himmel» zu finden. Genauso wenig sinnvoll ist es, Gott räumlich «oben» zu suchen. Es sind Bilder, die Gott «oben» und «im Himmel» ansiedeln. Sie meinen: Gott ist anders, er lässt sich im menschlichen Denken nicht greifen und begreifen. Das ist nicht etwas, das ein Astronaut überprüfen könnte. Entwarnung also: Juri Gagarin hat die religiöse Sprache missverstanden.

Dies zu durchschauen, bedeutet allerdings noch nicht, räumliche Vorstellungen wirklich beiseite zu legen. Im Alltag sind räumliche Verortungen von Menschen und Dingen unumgänglich. Diese Art von Denken lässt sich im religiösen Bereich nicht auf Knopfdruck ausschalten. Das Fatale ist: Diese Vorstellung legt Gott auf Orte fest, die anderswo sind und nicht hier, bei mir, bei uns.

Vor einigen Monaten schaute ich während eines Fluges aus dem Fenster auf eine schöne Küstenlandschaft mit einigen Ortschaften. Bei diesem Blick von oben auf die kleine Welt dort unten durchfuhr mich die Einsicht, wie absurd es ist, sich Gott in dieser Weise «oben» vorzustellen. Gott schaut nicht von oben (wie aus einem Flugzeug oder Raumschiff) auf die Erde und beobachtet, was diese Menschlein da wohl machen. Nicht aus einem Flugzeug, nicht aus noch grösserer Höhe. Gottes Nähe und Lebenskraft ist das, woraus Menschen leben – die da unten – und ich im Flugzeug.

 

Text: Eva-Maria Faber