Eine Kindheit im Spital

Zwei Jahre hat Muhammad schon im Krankenhaus verbracht. Wegen seiner Atemwegserkrankung wird er regelmässig im Caritas Baby Hospital behandelt.

Seine 15 Jahre sieht man Muhammad nicht an, das hat mit seiner Erbkrankheit zu tun. Der Junge leidet an Cystischer Fibrose. Seine Atemwege sind oft mit zähem Sekret verstopft, die Lunge ist voller Bakterien. Mehrmals im Jahr muss er für mindestens zwei Wochen stationär behandelt werden. Im Spital hat er einen strengen Therapieplan. Wann immer sich zwischen den Behandlungen ein Augenblick Zeit findet, huscht Muhammad ins Spielzimmer. Da vergisst er trotz der Kanüle im Arm und trotz des zu weiten Spital-Pyjamas alles um sich herum – bis der Arzt nach ihm ruft oder die Physiotherapeutin an die Tür klopft.

Das Caritas Baby Hospital hat sich in den letzten Jahren einen Namen als Kompetenzzentrum für Cystische Fibrose gemacht. Alle sind sich bewusst, dass nicht nur das Kind fachkundig betreut werden muss, sondern dass die gesamte Familie Unterstützung benötigt.

Muhammads Familie ist sehr dankbar, dass sie die Behandlungen und die lebensnotwendigen Medikamente für Muhammad im Caritas Baby Hospital kostenlos erhält. Mit dem Gehalt des Vaters könnten sie diese Ausgaben nicht stemmen. Das kleine Haus der Familie ist sauber und schlicht. Die Küche ist winzig, der Holzherd steht aus Platzgründen im Garten. Die vier Kinder schlafen im Ehebett, die Eltern im Wohnzimmer, das auch als Esszimmer dient. An der kahlen Wand hängt ein einziges Foto. Es zeigt Muhammads Schwester, die mit vier Jahren gestorben ist. Sie litt an derselben Krankheit wie Muhammad. Die anderen Geschwister sind gesund.

Für die Familie ist Muhammads Krankheit eine schwere Belastung. Fast jede Nacht steht die Mutter auf und muss sich um ihn kümmern. Tagsüber ist er daheim, in die Schule kann er schon lange nicht mehr. Der weite Fussweg war zu anstrengend für den Jungen. Ausserdem hat er sich oft geschämt, wenn Mitschüler seine verformten Fingerkuppen angestarrt haben oder wenn er beim Husten würgen musste. Muhammad wäre bestimmt ein hervorragender Schüler. Doch seine Krankheit hat ihm diese Chance verbaut.

Text: Paul Martin Padrutt/Kinderhilfe Bethlehem

Finanziert und betrieben wird das Caritas Baby Hospital im Westjordanland von der Kinderhilfe Bethlehem in Luzern. Das Behandlungskonzept bindet die Mütter eng in den Heilungsprozess ihrer Kinder mit ein und das Spital verfügt über einen guten ausgebauten Sozialdienst. 2014 wurden mehr als 38000 Kinder und Babys stationär oder ambulant betreut. Alle Kinder erhalten Hilfe, unabhängig von Herkunft und Religion. Nur dank Spenden kann das Spital seine Aufgaben erfüllen und Kinderleben retten.

www.kinderhilfe-bethlehem.ch