Heimat zwischen Welten

Die Migrantenseelsorge verbindet – deshalb lernen die Missionare anderssprachiger Gemeinden Deutsch.

Abwechselnd lesen die Migrantenseelsorger laut eine Geschichte vor und bemühen sich um eine korrekte, verständliche Aussprache. Der spanische, italienische oder kroatische Akzent ist nicht zu überhören, die bestandenen Priester nehmen die aufmunternden Korrekturen ihres Lehrers Peter Vollmar dankbar entgegen und setzen sie so gut wie möglich um. Dann hören sie ab Tonband jeweils gleiche Sätze zweimal und entdecken, dass diese – je nach Sprachmelodie – eine andere Bedeutung haben können.

 

«Ich verstehe alles auf Deutsch, aber sprechen ist schwierig», sagt Clarentiner-Pater Juan Carlos Rodriguez, Leiter der katholischen Mission für Spanisch-sprachige in Zürich. «Wir haben intensiv die Messtexte durchgearbeitet, damit meine ‹Studenten› auch deutsch Gottesdienste feiern können», erklärt Vollmar. Der pensionierte Marianisten-Pater war Lehrer an den Freien Katholischen Schulen Zürich. «Die Priester kommen sehr regelmässig», freut er sich. Es sei eine angenehme, oft lustige Atmosphäre. Franziskaner-Pater Stjepan Neimarevi´c von der Mission für Kroatischsprachige schwärmt: «Es ist schön, mit anderen Priestern einen Austausch zu haben. Wir lernen immer Neues, auch über die Schweizer Kultur.»

 

Die Migranten-Missionare sind immer Teil des Seelsorgeteams einer deutsch-sprachigen Ortspfarrei, manchmal Pfarradministratoren. «Wer neu in eine Mission kommt, muss zuerst einen Intensiv-Deutschkurs belegen», erklärt die zuständige Synodalrätin Franziska Driessen. «Anschliessend vertieft er seine Kenntnisse hier im Kurs.» Wenn immer möglich absolvieren neue Missionare ein drei- bis fünfmonatiges Praktikum in einer deutschsprachigen Pfarrei, ergänzt Luis Capilla vom Generalvikariat. «So lernen sie die Schweizer Kirche und unser duales System kennen, was die Zusammenarbeit erleichtert.» Denn laut den Leitsätzen der Migrantenseelsorge soll es keine strikte Trennung zwischen pfarreilicher und anderssprachiger Seelsorge geben. Bereits heute werden in Pfarreien zweisprachige Gottesdienste gefeiert oder interkultureller Religionsunterricht erteilt. Wie die Handreichung sagt: «Beide Seiten fordern sich heraus und bereichern sich, im Blick auf eine dialogische und mehrsprachige Pastoral, in der wir die Katholizität der Kirche neu entdecken und erleben.»

 

Generalvikariat Zürich/Glarus: «Menschen. Heimat. Kirche. Migrantenseelsorge zwischen Welten – eine Handreichung». Bestellung: 044 266 12 66, www.zhkath.ch

Text: Beatrix Ledergerber-Baumer