Nicht vom Brot allein

In der Pfarrei Pfäffikon gibt es über «Tischlein deck dich» nicht nur Lebensmittel: Freiwillige und Seelsorgende knüpfen Beziehungen, beraten und hören zu.

Der grosse Lastwagen kommt an jedem Dienstagmittag auf den Kirchplatz der katholischen Pfarrei St. Benignus in Pfäffikon. Viele freiwillige Hände laden ihn aus und beginnen sofort, die mitgebrachten Lebensmittel zu sortieren und zur Abgabe vorzubereiten. Es sind Lebensmittel, wie man sie in jedem Laden kaufen kann, die aber kurz vor Ende des Mindesthaltbarkeitsdatums stehen und für die Weitergabe an Bedürftige von der Industrie abgegeben werden.
Wie der Leiter der Tischlein-deck-dich- Gruppe in Pfäffikon, Christian Gass, erklärt, begann die Abgabe zunächst mit einem Wagen auf dem Parkplatz vor dem Pfarreizentrum und ist nun im Pfarreisaal ein festes Angebot, das jeweils von 30 bis 40 Personen genutzt wird. «Auch deren Familien profitieren», fügt er hinzu. Die meisten Bezüger seien Flüchtlinge und kämen aus Ländern, in denen eine Grossfamilie üblicher sei als bei uns in der Schweiz. Somit könnten bis zu 150 Personen von der Abgabe der Lebensmittel versorgt werden.

Der Pfarreisaal ist mit Menschen gefüllt. Sie alle haben eine Nummer erhalten und werden nun der Reihe nach aufgerufen. Sie gehen an den Tischen vorbei und dürfen sich, in Absprache mit den Mitarbeitern, zum symbolischen Preis von einem Franken Lebensmittel einpacken. Christian Gass freut sich dabei jedes Mal, wenn alle etwas bekommen, denn die Kunst sei die Kalkulation vor jeder Ausgabe. Er wisse nicht, wie viele Produkte er bekomme, und müsse immer wieder neu einteilen, sodass bis zum Schluss für alle etwas Passendes da ist.

«Mit einem Parallelprojekt hat unser Pfarreirat die Hilfe für die Menschen, die zum ‹Tischlein- deck dich› kommen, noch ausgeweitet», sagt der Pfarreibeauftragte Ludwig Widmann. Ein Mitglied aus dem Pfarreirat und ein Seelsorger oder eine Seelsorgerin stehen während der Nahrungsmittelabgabe für Gespräche und Informationen zur Verfügung. «Meistens drehen sich die Fragen der Besucher um die Themen Wohnraum, Anerkennung als Flüchtling oder finanzielle Unterstützung», weiss Widmann. Die Pfarrei fungiere hier als Vermittlungspartnerin, um konkrete Lösungen zu finden. In Sachen Wohnraum ist sie selbst aktiv geworden: Seit Oktober wohnt in ihren Räumlichkeiten ein siebzehnjähriger Flüchtling aus Eritrea, der von der Familie Widmann und weiteren Pfarreimitgliedern betreut wird.

www.tischlein.ch

Text: Oliver Sittel