Kinderglück

In der polnischen Mission Zürich beschenken die Familien am Samichlaus-Festbedürftige Kinder.

Einem Gottesdienst in fast nur polnischer Sprache zu folgen, ist nicht ganz leicht. Aber beim Anblick des Samichlaus, der kleine, süsse Geschenke verteilt, werden alle Kinderaugen gross - mit oder ohne Sprachkenntnisse. Die Mitglieder der polnischen Mission, die seit 14 Jahren in der Pfarrei Herz Jesu Zürich–Wiedikon beheimatet ist, und ihr Pfarrer Artur Czastkiewicz wollen jedoch auch Kinder in Polen beschenken, die nur wenig oder gar nichts haben. «Wir möchten damit unseren Kindern hier den Geist der Solidarität vermitteln», sagt Czastkiewicz.

Bereits zum zweiten Mal haben Familien der polnischen Gemeinde in Zürich Geschenke besorgt und für Kinder in Polen eingepackt. Ein grosser Geschenke-Berg liegt neben dem Samichlaus beim Altar in der Kirche und wartet darauf, in Bialystok, einer Stadt nahe der Grenze zu Weissrussland, verteilt zu werden. «Zuerst wollten wir für ein Waisenhaus Geschenke sammeln, doch dann erfuhren wir, dass dieses schon eine gute Unterstützung durch die Stadt bekommt», erzählt der polnische Priester. Er habe dann mehr durch Zufall die Schwestern in Bialystok gefunden. Bei ihnen können Kinder, die in schwierigen Familiensituationen leben, sich tagsüber in einer Art Tagesstätte aufhalten. Sie bekommen ein warmes Essen und Zeit und Ruhe für die Hausaufgaben. Als er den Familien in seiner Gemeinde letztes Jahr dieses Projekt vorstellte, war das Echo sofort sehr positiv. Es kamen umgehend so viele Spenden zusammen, dass alle 53 Kinder in dieser Tagesstätte an Weihnachten von den Schwestern beschenkt werden konnten. «Die Oberin hat mir berichtet, dass es für viele Kinder das erste Mal war, dass sie Geschenke erhielten», sagt Czastkiewicz glücklich.

Sogar eine Person war schnell gefunden, die alle Geschenke direkt aus Zürich zu den Schwestern bringt – auch dieses Jahr. Besonders wertvoll findet Czastkiewicz, dass nicht nur die Kinder seiner Mission vom Samichlaus mit Geschenken bedacht werden die übrigens von der Missions-Jugendgruppe besorgt und eingepackt wurden, sondern «dass durch die Hilfsbereitschaft und den Willen zur Solidarität unserer Gemeindemitglieder auch solche Kinder grosse Augen machen können, die sonst nur wenige Momente des Glücks erfahren.»

Text: Oliver Sittel