Spotlight: Jesus und die Sonnengötter

Tonziegel (4.–6. Jh. n. Chr.) aus dem Bibel+Orient Museum in Freiburg i. Ue.

Die Weihnachtszeit wird von zwei bedeutenden Hochfesten des Herrn bestimmt: vom Heiligen Abend mit dem anschliessenden Christtag und von Epiphanias. Beide haben einen auffälligen Lichtcharakter, das «Licht der Welt» kommt zu den Menschen.
Die Verbindung von rettender Gottheit und Licht ist nicht erst von den Christen erfunden worden. Lieder wie «Sonne der Gerechtigkeit» führen uns auf die richtige Spur: Das Christentum ist voll von Anspielungen auf ältere Geschwisterreligionen; wir stehen auf hohen Schultern. Denn der Sonnengott hiess vor Jahrtausenden «Herr der Gerechtigkeit» und «Sonne der Gerechtigkeit» war lange Zeit sein Titel.
Der Weihnachtstermin ist im Übrigen auch nicht zufällig: Kaiser Konstantin verschob den Geburtstag Christi bewusst in die dunkelste Jahreszeit. In der grössten Dunkelheit scheint das göttliche Licht in die Welt. Dies ist ein theologisches Programm, denn der Glaube an den römischen «unbesiegten Sonnengott» wurde mit Christus verbunden. Das Epiphaniefest aber hat ägyptische Vorbilder – am selben Termin «erschien» der Sonnengott als Neugeborener. Um den Jahreswechsel herum begegnen wir also einem sonnengöttlichen Christus. Er wurde sogar im Handwerk nachgebildet (Bild). Die Strahlen als Aura um seinen Kopf stammen vom Sonnengott; die Gesichtsdarstellung ist ein ganz charakteristisches Christusporträt. «Sonne der Gerechtigkeit – gehe auf zu unsrer Zeit!»

FLORIAN LIPPKE

Text: Florian Lippke