Zum ersten Mal in Afrika

Kommentar zur Reise von Papst Franziskus nach Afrika vom 25. bis 30. November 2015.

Allein die Wahl der Reiseziele von Papst Franziskus verdient Aufmerksamkeit. Bei allen Unterschieden weisen Kenia, Uganda und die Zentralafrikanische Republik einige Gemeinsamkeiten auf, dazu zählt nicht zuletzt ihre koloniale Vergangenheit. Anfang der 1960er-Jahre errangen sie von europäischen Nationen die Unabhängigkeit. Es folgten schwierige Phasen mit Despoten wie Idi Amin und Bokassa. Sie stehen für jene prunksüchtigen Gewaltherrscher, die das Image des Kontinents über Jahrzehnte prägten. Heute sind diese Länder herausgefordert von Armut, Korruption, Ausbeutung, Tribalismus und vielfältigen Formen der Gewalt. Innerhalb ihrer Grenzen finden sich auch Abertausende von Flüchtlingen und Binnenvertriebenen.

Auch wenn es für eine abschliessende Beurteilung wohl zu früh ist, helfen einzelne Momente, die Bedeutung dieser Papstreise zu ermessen. Franziskus überraschte bereits mit seiner Wahl der ersten Kirche, die er in Afrika besuchte: Es war nicht etwa eine Kathedrale, sondern eine Pfarrkirche in einem der grössten Slums des Kontinents in der Hauptstadt Kenias. Wohl auch wegen dieser spürbaren Nähe zu ihrer Lebensrealität haben sich die Menschen von ihrem aus Argentinien stammenden Gast ernst genommen gefühlt. Schon bald wurde von «François d’Afrique» gesprochen. Er trat auf wie sein Namensgeber aus Assisi, der in der Zeit der Kreuzzüge den Sultan von Ägypten besuchte, als unbewaffneter und gleichzeitig entwaffnender Prophet des Friedens und der Versöhnung.

Ein äusserst starkes Zeichen setzte Franziskus zudem, indem er als erster moderner Papst eine aktive Konfliktzone besuchte. In der von kriegerischer Gewalt gebeutelten Zentralafrikanischen Republik, einem von der Welt weitgehend unbeachteten, trotz Rohstoffreichtums bitterarmen Land, hat er bereits am ersten Adventssonntag die Heilige Pforte zum Jahr der Barmherzigkeit geöffnet. Wiederum eine Neuheit: Zum ersten Mal in der Geschichte geschah dies ausserhalb von Rom und bereits eine Woche vor dem offiziellen Datum 8. Dezember. «Möge Bangui die spirituelle Hauptstadt der Welt werden!», rief Franziskus bei der Zeremonie in der dortigen Kathedrale aus.

Wie anders als mit dieser ausdruckstarken Symbolhandlung hätte er seiner Überzeugung Ausdruck verleihen können, wie dringend notwendig eine Haltung von Liebe und Barmherzigkeit ist? Darin sieht Franziskus einen für die gesamte Menschheitsfamilie gangbaren Weg in eine gemeinsame Zukunft. Denn Gewalt, Tribalismus, ethnisch begründeter Hass und religiöse Gewalt wie auch Korruption und Besitzgier entstellen, wie Franziskus sagte, das Angesicht Gottes nicht nur in Afrika.

Franziskus hat es nicht nur bei dieser religiösen Symbolhandlung bewenden lassen. In seinen leidenschaftlichen, oft von den Vorbereitungen abweichenden Reden hat er den religiösen und politischen Verantwortlichen in den Gastländern und weit darüber hinaus deutlich gemacht, dass unsere Welt, nüchtern betrachtet, am Abgrund steht. Nicht zuletzt im Hinblick auf die UN-Klimakonferenz in Paris hat er deutlich kundgetan, dass jetzt die Zeit ist für ein gemeinsames, beherztes Engagement gegen Armut, Umweltzerstörung und Klimawandel. Es müsse Schluss sein mit der «Globalisierung der Gleichgültigkeit», lautete sein Appell.

Erstaunt hat der Papst, der am 17. Dezember 79 Jahre alt wird, sicher auch mit seiner Vitalität und Ausdauer. Seine Präsenz hat die Menschen berührt. Hoffen wir, dass die Saat aufgeht!

Text: Toni Kurmann

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Pater Toni Kurmann SJ ist Leiter der Jesuitenmission Schweiz mit Sitz in Zürich.

Foto: Christoph Wider