Dienst vor Amt

Thomas Lichtleitner, selbst Diakon und Gemeindeleiter in Opfikon-Glattbrugg, erklärt Geschichte und Sinn des Diakonats.

Am 9. Januar wird Weihbischof Marian Eleganti um 10.30 Uhr in der Kirche Herz Jesu in Zürich-Oerlikon sechs Männer zu ständigen Diakonen für das Bistum Chur weihen.

Das Diakonat ist im Neuen Testament grundgelegt. Die Apostel setzten aufgrund einer konkreten Notsituation bewährte Männer ein, um sich der Versorgung notleidender Gemeindemitglieder anzunehmen (Apostelgeschichte 6,1-6).
Aus diesem konkreten sozialen Auftrag erwuchsen Diakonen in den darauffolgenden Jahrzehnten auch Aufgaben im administrativen und ökonomischen Bereich der Kirche.
Ab dem 4. Jahrhundert geriet das Amt des Diakons in der neuen gesellschaftlichen Lebenssituation der Kirche als eigenständige Berufung in Vergessenheit. Es wurde bis ins 20. Jahrhundert mehr oder weniger als «Durchgangsstufe» auf dem Weg zur Priesterweihe angesehen.
Das Zweite Vatikanische Konzil sorgte 1964 für eine Wiederbelebung des Diakonats als eigene und beständige Weihestufe – auch und gerade für verheiratete Männer (Lumen Gentium Nr. 29).
Den Bischofskonferenzen ist es überlassen, ob sie das Amt des ständigen Diakons in ihrer Region pastoral für hilfreich halten und es einführen wollen. Die Schweizer Bischöfe tun dies seit knapp dreissig Jahren.
Die konkrete Ausgestaltung dieses Dienstes ist vielfältig. Im Bistum Chur sind praktisch nur hauptamtliche Seelsorger ständige Diakone. In anderen Bistümern ausserhalb der Deutschschweiz, sowie in Deutschland und Frankreich, sind nach entsprechender Zusatzausbildung auch Diakone mit Zivilberuf ehrenamtlich tätig.
Je nach Schwerpunkt der Berufung steht der sozial-caritative Aspekt im Vordergrund oder der liturgisch-sakramentale. Diakone können gemäss der Richtlinien des Bistums Chur taufen, bei der Hochzeit assistieren, die Beisetzungsliturgie leiten und predigen.

Seit Wiedereinführung des ständigen Diakonats gibt es Diskussionen über Sinn und Zukunft dieses Amtes. Auf der einen Seite gibt es Stimmen, die den praktischen Nutzen bezweifeln und sich sogar Sorgen machen, etwa im Sinn: «Wenn jetzt ein Diakon als Pfarreibeauftragter kommt, dann wird unsere Pfarrei keinen eigenen Pfarrer mehr bekommen.» Oder sie vermuten eine Konkurrenz zwischen den Seelsorgern innerhalb der Pfarrei, wenn nun noch ein zusätzliches Amt dazukommt. Auf der anderen Seite stellen Gemeindemitglieder die aktuelle Form des ständigen Diakonats grundsätzlich in Frage: «Was macht denn der Diakon anderes als heute schon unsere Pastoralassistin oder unser Pastoralassistent sehr gut tut?» Kritische Fragen werden zudem gestellt, weil Frauen vom ständigen Diakonat ausgeschlossen sind.
Ich meine: Der ständige Diakon läuft in diesen Diskussion Gefahr, inmitten unterschiedlich motivierter Positionen des Misstrauens oder der Kritik einen veritablen Fehlstart hinzulegen.
Die Konzilsversammlung hat sicher mit dem Amt des ständigen Diakons keinen «immer währenden Boxenstop» gemeint. Genauso wenig übrigens, wie sich Diakone auf einer «sakramentalen Überholspur» hinsichtlich der kirchlichen Karriereplanung wähnen sollten. Das Diakonat ist eingebunden in den Dienst der Kirche und damit in den Dienst für das Evangelium und für die Menschen. Es dient dem Leben auf seine Art, mit den jeweiligen Charismen, die dem glaubenden Menschen geschenkt ist.
Ich bin froh, dass ich – neben der Unterstützung meiner Frau – viele Menschen in meiner Glaubensgemeinde angetroffen habe, die mir zu meiner Entscheidung für das Diakonat Mut machten und den vielfältigen Reichtum an Geistesgaben mit Rat und Tat bis heute fördern. Das dient dem Leben innerhalb der Kirche und in der Welt, in der wir leben.

Text: Thomas Lichtleitner

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Thomas Lichtleitner

Thomas Lichtleitner (46) ist verheiratet und Vater von zwei Kindern. Er ist Diakon und Gemeindeleiter in der Pfarrei St. Anna in Opfikon-Glattbrugg. Seit 2012 ist er zudem Diözesanrichter im Bistum Chur.