Spotlight: «Baum des Lebens»

Zentrum der Welt Bäume spielen in vielen Religionen eine wesentliche Rolle. Schon die alten Assyrer kannten die Vorstellung vom Lebensbaum, der das Zentrum der Welt markierte.

Man konnte ihn in den Thronräumen der Könige an Euphrat und Tigris finden. Hier war das Zentrum der Macht, das Zentrum des Lebens.

Diese Tatsache lässt uns die Geschichte von den Bäumen in der Mitte des Paradiesgartens (Gen 3) ganz anders lesen. Im Zentrum der damaligen Welt stehen Erkenntnis von Gut und Böse sowie das Lebens. Und sie stehen nicht in einem assyrischen Palast, sondern im Garten Eden, den Gott höchstpersönlich gepflanzt hat. Den ersten Menschen hat der Umgang mit dem Baum der Erkenntnis harte Konsequenzen beschert. Der Baum des Lebens blieb unangetastet.

Bei der Deutung des Leidens, Sterbens und der Auferstehung Christi identifizierte man den Stamm des Holzkreuzes mit dem Baum des Lebens. Durch Christi Tod kommt, der (altorientalische und alttestamentliche) Lebensbaum in greifbare Nähe. Wer die assyrischen und alttestamentlichen Grundlagen kennt, der versteht den Sinn dieser Gleichsetzung um einiges besser. Das Programm der Identifizierung von Lebensbaum und Kreuz wurde auch bildlich (manchmal stark symbolisiert) umgesetzt. In der Darstellung (Bild) werden Kreuz einerseits und Lebensbaum (Baumranke) zwischen Fabelwesen parallelisiert. Christus ist das Leben und eröffnet den Weg ins Paradies.

Text: Florian Lippke, Bibel+Orient Museum

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Koptisches Relieffragment (4.–5. Jh. n. Chr.) ÄFig 2012.2 © Bibel+Orient Museum Freiburg