Wenn der Himmel aufreisst

Generalvikar Josef Annen spendet bis 40 Firmungen pro Jahr. Der Heilige Geist sei wie Gottes Rückenwind für die jungen Menschen, sagt er.

Tief liegende Wolken und Nieselregen hinter den grossen Fensterscheiben der kleinen, vorne rund gebauten Kirche in Feuerthalen tun der festlichen Stimmung im Innern keinen Abbruch: Die erste Gruppe der Jugendlichen feiert Firmung. Was ist für sie Glück: Freude und Freunde haben, leben ohne Stress, später nicht auf verpasste Chancen, sondern auf ein sinnvolles Leben blicken können. Und «Gott, du bist unser Glück». Drei ehemalige Firmlinge musizieren mit Piano, Akkordeon und Geige. Die Kirche ist bis hinten gefüllt mit Angehörigen, ein paar Kinder spielen im Eingangsbereich.

Als Generalvikar Josef Annen jeden einzelnen mit Namen anspricht, ihm das Kreuz mit Chrisam-Öl auf die Stirne zeichnet, die Hände auf den Kopf legt und so die Firmung besiegelt, reisst der Himmel auf: Ein paar Sonnenstrahlen erhellen den Raum.

«Gott sagt: Ich warte auf dich, ich trage dich. Das ist das Siegel der Firmung, und dieser Rückenwind Gottes ist ein Geschenk für jeden jungen Menschen, wie immer sein Lebensweg aussieht.»

«Gott sagt: Ich warte auf dich, ich trage dich. Das ist das Siegel der Firmung, und dieser Rückenwind Gottes ist ein Geschenk für jeden jungen Menschen, wie immer sein Lebensweg aussieht.» Foto: Christoph Wider

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Bis 40 Firmungen spendet Annen pro Jahr. Wird das nicht zur Routine? «Ich bin immer wieder berührt von dem, was die jungen Menschen bewegt», sagt er. «In Briefen oder Begegnungen vor der Firmung erzählen sie mir von Krankheiten, Tod der Grosseltern, Trennung der Eltern. Sie stellen grundlegende Fragen: Warum lässt Gott das zu? Was ist der Sinn des Lebens?» Er versuche ihnen zu vermitteln, dass Jesus uns einen Gott zeigt, zu dem wir eine Beziehung haben können, der bei uns ist, auch im Leid.

Nach der Firmung stellen sich die Jungen auf zum Gruppenfoto, unter die farbigen Buchstaben über dem Altar «Glück ist, wenn der Himmel aufreisst». Dass es inzwischen in Strömen regnet, spielt keine Rolle. Die kleine Band spielt lüpfige Musik, die Menschen sind fröhlich. Wenig später wird Josef Annen die zweite Gruppe der Feuerthaler Jugendlichen firmen, am nächsten Tag ist Firmung in der Italienisch sprechenden Pfarrei San Francesco Winterthur.

Ein wenig anstrengend sei es schon, über Wochen nur Festtage und keine "normalen" Gottesdienste zu erleben. Aber erfüllend, denn er kann die Zusage Gottes überbringen: «Ich habe dich gern, ich bin bei dir.» Annen ist überzeugt: «Auch wer Gott den Rücken zukehrt oder einen Bogen um die Kirche macht, Gott sagt ihm: Ich warte auf dich, ich trage dich. Das ist das Siegel der Firmung, und dieser Rückenwind Gottes ist ein Geschenk für jeden jungen Menschen, wie immer sein Lebensweg aussieht.»

Text: Beatrix Ledergerber-Baumer

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