Ich bin dabei

«Für eine Kirche mit* den Frauen»

Die katholische Kirche ist ohne die Frauen undenkbar. Ich spreche nicht von der Mutter Gottes oder von den zahlreichen heiligen Frauen, die unsere Kirche seit jeher inspirieren und nachhaltig bereichern. Ich spreche von heute.

Knapp mehr als die Hälfte der Schweizer Bevölkerung ist weiblich. Der Anteil bei den theologischen Mitarbeiterinnen im Bistum Basel beträgt 51 Prozent. Bei den neben- und ehrenamtlich Engagierten dürfte der Frauenanteil deutlich höher sein.

Rund 800 Frauen und Männer zeigten am 2.Mai in der St. Galler Kathedrale ihre Solidarität mit der Pilgergruppe.
Die Rompilgerinnen und -pilger (v. links n. rechts): Silvia Letsch-Brunner, Mariette Mumenthaler, Theres Steger Broger, Esther Rüthemann, Claire Renggli-Enderle, Cäcilia Koller, Franz Mali, Hildegard Aepli

Rund 800 Frauen und Männer zeigten am 2.Mai in der St. Galler Kathedrale ihre Solidarität mit der Pilgergruppe. Die Rompilgerinnen und -pilger (v. links n. rechts): Silvia Letsch-Brunner, Mariette Mumenthaler, Theres Steger Broger, Esther Rüthemann, Claire Renggli-Enderle, Cäcilia Koller, Franz Mali, Hildegard Aepli

Die Nonnen des Klosters Fahr ernteten einen Sonderapplaus.

Die Nonnen des Klosters Fahr ernteten einen Sonderapplaus.

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Bereits meinem Vorgänger, dem heutigen Kardinal Kurt Koch, war es ein grosses Anliegen, Frauen in kirchliche Entscheidungsprozesse zu integrieren. Gegenwärtig sind im Bistum Basel vier Frauen als Regional- und Pastoralverantwortliche tätig. Sie gehören zum Bischofsrat, einer Art Geschäftsleitung des Bistums, die den Bischof in allen wichtigen Belangen direkt berät.

Das reicht aber nicht. Zu lange mussten die Frauen unserer Kirche auf dem Beifahrersitz Platz nehmen. Der Zugang zu den höchsten kirchlichen Leitungsämtern ist unmöglich, weil Weihe- und Leitungsgewalt zusammengehören.

Die Päpstliche Bibelkommission stellte zwar schon 1976 fest, dass im Neuen Testament keine Entscheidung über die Frauenordination gefällt werde und demnach auch kein Verbot. Dennoch wollte Papst Johannes Paul II., dass man darüber nicht mehr redet.

Daran hat sich bisher auch Papst Franziskus gehalten. Was kann also ein Bischof für die Frauen tun? Ich habe mich entschieden, mit den Frauen auf den Weg zu gehen. Es ist ein Pilgerzug nach Rom, zum Grab des Apostels Petrus. Ich möchte eine «Kirche mit».

Der Weg ist ein Pilgerzug für die Integration. Frauen sollen auf allen Ebenen der Kirche dazugehören. Ein Weg schafft Raum für Entwicklung. Anlässlich des heurigen Internationalen Tags der Frau warf der vatikanische Exerzitienmeister Pater Ermes Ronchi vor versammelter Kurie die Frage in die Runde, die Jesus an Petrus stellte: «Siehst du diese Frau?» (Lk 7,44)

Wenn Jesus ihn heute dasselbe fragen würde, wird Ronchi auf Radio Vatikan zitiert, «dann müsste ich antworten: Nein, Herr, hier sehe ich nur Männer. Das ist nicht ganz normal, geben wir es zu. Dann müssen wir zur Kenntnis nehmen, dass hier eine Leere ist, die nicht der Wirklichkeit der Menschheit und der Kirche entspricht.»

Text: + Felix Gmür, Bischof von Basel

Angebot laufend

Seit dem 2. Mai sind sieben Frauen und ein Mann zu Fuss nach Rom unterwegs.

Mit ihrer Pilgerreise möchten sie in einer männerdominierten Kirche ein Zeichen für die Gleichberechtigung setzen:

«Wir wünschen, dass Männer der Kirche in Zukunft nicht mehr ohne Frauen über deren Stellung, Rolle und Funktion und über die Belange der Kirchen im Allgemeinen nachdenken und entscheiden.»

Am 2. Juli hofft die Pilgergruppe Papst Franziskus zu treffen und mit ihm Eucharistie zu feiern. Zu ihnen gesellen sich mehrere Hundert Frauen und Männer aus der Schweiz und anderen Ländern, darunter auch Bischof Felix Gmür.