Kulturtipps

Wir empfehlen ein Kunstmagazin zum Thema «Licht», eine Ausstellung zur Gleichberechtigung der Juden in der Schweiz sowie ein Buch über die Christenentwicklung. Zudem stellen wir den Kinofilm «Das Leben drehen» (Bild) und die Fernsehserie «Modern Family» vor.

Kino

Auf dem privaten Videomaterial der Familie Scheidegger sieht man oft zwei Kinder und eine Frau, aber einer fehlt darauf immer: der Vater. Er ist damit beschäftigt, alle Lebenssituationen, und seien sie banal, für die Ewigkeit festzuhalten.

Als Erwachsene, nach dem Tod des Vaters, versucht Eva Vitija seiner Faszination für die Filmerei auf den Grund zu gehen. Sie kämpft sich durch Berge von Filmmaterial und erkennt dabei, dass es ihrem Vater nicht nur darum ging, jeden einzelnen Moment zu bewahren. Sondern die guten Momente den schlechten entgegenzusetzen.Die Wahrheit zu wählen, an die man glauben möchte.

Eine sehr persönliche Familiengeschichte, die anrührt. Bei den Solothurner Filmtagen wurde «Das Leben drehen» mit dem «Prix de Soleure» ausgezeichnet.
Sarah Stutte, medientipp

«Das Leben drehen – Wie mein Vater versuchte, das Glück festzuhalten» Schweiz 2015. Regie: Eva Vitija, Dokumentarfilm mit Joschy Scheidegger, Claudia Freund, Kaspar Scheidegger; Verleih: www.filmcoopi.ch. Läuft im Kino Riffraff, Zürich. www.daslebendrehen.ch 

Zeitschrift

In den meisten Religionen wird Licht mit Manifestationen des Göttlichen in Verbindung gebracht. Auch die christliche Architektur machte sich seit ihren Anfängen die Effekte des dynamischen, in das Gebäude einfallenden Tageslichts zunutze, um bei den Gläubigen Emotionen hervorzurufen.
Die Fenster der gotischen Kathedralen sind Schwellen, an denen das immaterielle Licht sichtbar wird und im Sichtbaren ein immaterieller Grund aufscheint.
In der Moderne wird das Licht selbst zu einem tragenden Element der Architektur. Lichttechnik schafft eigene Lichträume – und Kunstlicht eine neue Kunstform. Eine spannende Spurensuche des Lichts in Architektur und Kunst.

«Licht» Kunst und Kirche 1/2016. Ca. 23 Euro. www.kunstundkirche.com

Buch

Am Anfang steht ein jüdischer Zimmermann, der als Wanderprediger durch Galiläa zieht. 2000 Jahre später bilden seine Anhänger die grösste Religionsgemeinschaft der Welt. Was kennzeichnet die Entstehung des Christentums und seinen Gang durch die Jahrtausende?
Der Blick in die Geschichte verdeutlicht, dass die heutige Gestalt der Kirche organisch gewachsen ist. Liturgie, Gemeinde, Ämter, Glaubensbekenntnisse haben sich vielfach gewandelt, und sie möchten sich weiter verändern auf die Zukunft hin. Die Kirche hat sich dynamisch entwickelt – sie behält ihre Kraft, indem sie weiterhin mit der Zeit fühlt, denkt und handelt.  ps

«Vom Urchristentum in die Gegenwart» Niklaus Kuster/Albert Gasser, Studiengang Theologie, Band III, Edition NZN bei TVZK 2016. 394 Seiten. Fr. 42.–. ISBN 978-3-290-20104-3.

Ausstellung

Über Jahrhunderte wurden Juden in der Schweiz verfolgt, vertrieben oder ausgegrenzt. Erst vor 150 Jahren wurden sie den übrigen Schweizer Bürgern gleichgestellt.
Die Ausstellung zum Jubiläum zeigt Porträtfotos von 15 der 18000 Jüdinnen und Juden der Schweiz. Die Abgebildeten widerspiegeln mit Bild und persönlichen Erzählungen das jüdische Selbstverständnis in der Schweiz.  bl

«Schweizer Juden – 150 Jahre Gleichberechtigung» 19. 5.–4. 6., Mo–Fr, 7.00–22.00 Uhr, Sa, 7.00–13.30 Uhr: Ausstellung. Mi, 1. 6., 18.30 Uhr, Uni Zürich: Integration als Weg zur politischen Anerkennung. Podiumsgespräch mit Abt Urban Federer und Regierungspräsident Mario Fehr. 150.swissjews.ch

 

 

«Modern Family»

Jay ist Mitte sechzig und in zweiter Ehe mit Gloria verheiratet. Die feurige Latina ist jünger als seine beiden Kinder aus erster Ehe und hat bereits einen Sohn, der sein Enkel sein könnte. Jays leiblicher Sohn Mitchell ist schwul und adoptiert mit seinem Partner Cameron die kleine Lily. Nur Tochter Claire lebt in einer sogenannt traditionellen Familie zusammen mit ihrem Mann Phil und den Kindern Haley, Alex und Luke.

Die Sitcom «Modern Family», von der inzwischen bereits die achte Staffel angekündigt ist, zeigt oberflächlich betrachtet Familienverhältnisse, die Kirchenrechtler als «irregulär» bezeichnen würden. Bei genauerem Hinsehen wird aber offenbar, wie wertkonser- vativ «Modern Family» ist. Es geht um Treue, Ehrlichkeit, Hilfsbereitschaft, Wertschätzung, Ermutigung, Gemeinschaft, Verständnis – Liebe.

Wie hier die ganze Palette von Familienfreuden und -nöten, von Beziehungslust und -leid durchgespielt wird, das ist sehr lustig und gleichzeitig sehr liebevoll. Und dabei so treffend beobachtet, dass man sich darin ständig selbst erkennt. «Modern Family» macht auf sehr unterhaltsame Weise deutlich, dass sich Familie nicht durch Paragraphen definiert, sondern durch die Art und Weise, wie man einander liebt.

«In Realismus die Grenzen, die Herausforderungen oder die Unvollkommenheit zu akzeptieren und auf den Ruf zu hören, gemeinsam zu wachsen» steht im päpstlichen Schreiben «Amor Laetitia». Wer davon etwas mitkriegen möchte, der sollte mal bei «Modern Family» vorbeischauen.

Thomas Binotto

«Modern Family» läuft auf diversen Streamingportalen sowie RTL Nitro.
Die Staffeln 1–5 sind auf DVD erhältlich.