Kulturtipps

Wir empfehlen den Spielfilm «Voyage en Chine» (Bild), die Fernsehserie «Broadchurch», die Ausstellung «Wer bin ich?» sowie eine Porträtsammlung zur christlichen Spiritualität und ein Buch über das Leben im Kloster.

Film

Lilianes Sohn Christophe ist in China verunglückt. Ihr Wunsch, den Toten in die französische Heimat zu überführen, droht an bürokratischen Hürden zu scheitern. Also beschliesst Liliane, nach China zu reisen. Dort kann sie sich nur mit Händen und Füssen verständigen und ist zunächst völlig überfordert. Doch Schritt für Schritt taucht sie ein in das Land, in dem sich ihr Sohn zuhause fühlte und von seiner Familie entfremdete.

Der erste Langspielfilm des Fotografen Zoltan Mayer vermag es, mit sparsamen Dialogen und ruhigen Bildern auf empathische Weise von Trauer und Neubeginn zu erzählen. Dass der Film dabei nie pathetisch wirkt, ist auch dem Spiel von Yolande Moreau zu verdanken, die Lilianes Schmerz und ihre Wandlung einfühlsam verkörpert.

Laura Lots, Medientipp

«Voyage en Chine» Frankreich 2015. Regie: Zoltan Mayer. Mit Yolande Moreau, Qu Jing Jing, Lin Dong Fu; Verleih: www.agorafilms.net Kinostart: 19. Mai

Fernsehserie

Der elfjährige Danny Latimer wird ermordet an der Küste der britischen Kleinstadt Broadchurch aufgefunden. Die Tat versetzt den Ort in Aufruhr. Niemand, der nicht betroffen ist. Auch nicht Detective Sergeant Ellie Miller, die mit der Familie des Opfers befreundet ist. Und selbst ihr neuer Chef, Inspector Alec Hardy, trägt bei der Aufklärung des Verbrechens schwer an der eigenen Vergangenheit, obwohl er als Neuer in der Stadt unbelastet sein sollte.

«Broadchurch» lebt nicht von brutalen Szenen und vielen Verbrechen, sondern von der meisterhaft geschriebenen und inszenierten Schilderung des kleinstädtischen Beziehungsgeflechts. Es gibt zwar nur einen Täter – aber in sicherer Distanz zur Tat kann sich niemand wähnen. So zieht das Verbrechen immer tiefere Furchen.

Noch unkonventioneller ist der Fokus der zweiten Staffel. Es geht nicht um ein erneutes Gewaltverbrechen, sondern um die Rückkehr zum scheinbar bereits gelösten Fall. Der Täter widerruft sein Geständnis und provoziert damit eine Gerichtsverhandlung. Broadchurch wird ein weiteres Mal aufgewühlt. Scheinbar klare Fakten erscheinen in neuem Licht. Scheinbar klare Positionen geraten ins Wanken. Im Schlagabtausch zwischen Verteidigung und Anklage wird deutlich, dass Rechtsprechung nicht automatisch Gerechtigkeit bedeutet.

Das alles ist – wie wir es von englischen Produktionen längst erwarten – ungemein fesselnd erzählt und herausragend gespielt.

Thomas Binotto

«Broadchurch» England 2013–2016. Bislang 2 Staffeln auf DVD, Blu-Ray und VoD. Vertrieb: Studiocanal.

Ausstellung

Die Frage nach der eigenen Identität beschäftigt die Menschheit seit jeher. Welchen Einfluss hat die Umwelt auf das Ich, was ist durch unsere Gene festgelegt? Heute sind sich zahlreiche Forscher einig, dass vererbte Eigenschaften und äussere Einflüsse sich gegenseitig beeinflussen. Die Ausstellung zeigt die Komplexität der Identität durch Kunstwerke, neue Medien und Exponate aus dem Alltag. Sie bieten den Besuchern auf unterhaltsame Weise eine Hilfestellung beim Beantworten seiner Fragen, wer er heute ist, was ihn antreibt und wer er noch werden will.

pd

«Wer bin ich?» Ausstellung über unsere Identität. 22. Mai bis 25. September 2016 Mi–So 11.00–17.00 Uhr, Do 11.–20.00 Uhr, Mo/Di geschlossen. Öffentliche Führungen: immer So, 11.15 bis ca. 12.30 Uhr. www.voegelekultur.ch

Buch

Es gibt Menschen, auf die Gott «abgefärbt» hat: Zehn von ihnen – aus dem Mittelalter bis in unsere Zeit – werden vorgestellt: Johannes Tauler ebenso wie Nikolaus von Flüe, Blaise Pascal, die Jüdinnen Simone Weil und Edith Stein, Friedrich Spee, John Henry Newman, Johannes XXIII. und die aus der Reformation hervorgehenden Dag Hammarskjöld und Dietrich Bonhoeffer. Aus ganz unterschiedlichen Zeiten, Kulturen und Umständen stammend zeigen sie die Vielfalt christlicher Spiritualität. Die gut vermittelte Authentizität ihres Lebens erweitert nicht nur das Wissen, sondern berührt das Herz.

Beatrix Ledergerber-Baumer

«Menschen von Gottes Farbe» Fridolin Wechsler, Rex Verlag/Verlag Katholisches Bibelwerk, Luzern- Stuttgart 2015, 208 Seiten, Fr. 26.90, ISBN 978-3-7252-0973-6

Buch

Einsiedler, die oftmals höchst seltsame Formen der Askese pflegten, «Wüstenväter», um die sich zahlreiche Legenden ranken, Mönche und Nonnen, deren Klöster zu Oasen der Kultur wurden, die Bettelorden des 13. Jahrhunderts, die zuweilen eine wahre Landplage wurden, ein rebellischer Mönch in Deutschland, der dem Papst die Stirn bot: Das Ordensleben ist aus der Geschichte der Kirche nicht wegzudenken und fasziniert bis heute. Der Theologe Josef Imbach erzählt die Geschichte dieser Lebensform lebendig, mit oftmals verblüffenden Beispielen und überraschenden Momenten.

Pia Stadler

«Die geheimnisvolle Welt der Klöster –Was Mönche und Nonnen zum Rückzug aus der Welt bewegt» Josef Imbach, topos premium 2015. 256 Seiten. Fr. 26.90. ISBN 978-3-8367-0006-1