Stolperstein: «Ewigkeit»

In Verbindung mit Zeitvorstellungen klingt «ewig» nach Beständigkeit - «für alle Zeiten» wird aber auch inflationär für kurzlebige Trends verwendet.

«Seit ewigen Zeiten machen wir das so» – wer kennt diese Redewendung nicht? «Seit ewig», das klingt nach Beständigkeit und langer Dauer. Fast inflationär wird auch so geredet: «Der grösste Clou aller Zeiten» oder «Der höchste Gewinn aller Zeiten», «Die schönste Frau aller Zeiten». Hier schaut man nicht zurück, sondern nach vorne. «In alle Ewigkeit» oder «Von Ewigkeit zu Ewigkeit» tönt es auch in den christlichen Gebeten.

Ewig streckt sich einmal aus in die Vergangenheit und einmal in die Zukunft. Und noch einmal scheint ewig alles zu umfassen: den Anfang und das Ende, das Universum, unsere Erde, das Sein. Dabei ist die Zeit zwischen Anfang und Ende doch eigentlich messbar, in Minuten, Stunden, Jahren, Jahrhunderten. Ewigkeit ist unklar, unpräzise, unserem naturwissenschaftlich geprägten Dasein zuwider.

Und dennoch verwenden wir diesen Begriff recht häufig. In gottesdienstlichen Feiern, im Gebet und auch im Nachdenken über das, was Gott meint, kommt Ewigkeit oft vor. Es ist wohl dem christlich-jüdischen Gottesbild geschuldet, dass sich Gott nur als die Zeit übergreifend vorstellen lässt. Ewigkeit wird als eine der wesenhaften Eigenschaften Gottes gedacht. Er existiert seit unvordenklichen Zeiten und ist doch jeder Zeit gegenwärtig und umfasst alle Zeiten, die wir als Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft erleben. Da betet Augustinus «Dein ist die Ewigkeit» und meint damit, dass Gott in allem und gleichzeitig über allem ist. Ewigkeit ist damit nicht einfach ein Gegenüber von Zeit, sondern letztlich die Voraussetzung für Zeit.

Es ist ausgesprochen komplex, überhaupt über Zeit zu sprechen. In der irdischen Existenz ist Zeit nur erfahrbar im Kontakt zu anderen, denen real, in Wort und Bild, begegnet werden kann. Doch das christliche Nachdenken über Zeit und Gott übersteigt diese Erfahrung, wenn es von Ewigkeit spricht und damit den Zusammenhalt der Zeit unserer Welt mit jener der Vollendung im Reich Gottes meint. Glaubend, dass es für alle darin eine erfüllte Zeit gibt. Manchmal jedoch erfahren wir im Heute unseres Lebens etwas von Ewigkeit, dann nämlich, wenn die Zeit still zustehen scheint, wenn wir ganz erfüllt sind von dem, was ist. Wenn zwei Menschen in Liebe zu verschmelzen scheinen, wenn ein Kind in unserer Mitte geboren wird oder beim Tod eines lieben Menschen, der nach einem langen Leidensweg stirbt. Dann können wir erleben, ganz von der Ewigkeit Gottes umfangen und darin aufgehoben zu sein.

Text: Birgit Jeggle, Professorin für Liturgiewissenschaft an der THChur