Hat Kirchenmusik noch Zukunft?

Dirigent und Kirchenmusiker Stephan Klarer zieht sein Fazit zum Kirchenmusikwettbewerb «Klang & Gloria»

Und ist Kirchenmusik noch ein erstrebenswertes Berufsziel? Solche Themen beschäftigen uns Verantwortliche für die Kirchenmusikausbildungen an der Zürcher Hochschule der Künste (ZHdK) permanent.
Dabei gehören die entsprechenden Ausbildungen (Orgel, Chorleitung) an der ZHdK, der drittgrössten Kunsthochschule Europas, zu den inhaltlich profiliertesten in der deutschen Schweiz, wenn nicht gar im deutschen Sprachraum. Die Dozierenden sind allesamt ausgewiesene Könner ihres Fachs mit grossem pädagogischem Geschick. Mit dem Toni-Areal steht uns ein in der Schweiz einmaliger Hochschulcampus mit zeitgemässer Infrastruktur zur Verfügung. Aber werden diese Studienangebote auch von potenziellen Studierenden wahrgenommen?

Mit diesen Fragen haben wir uns an die beiden Landeskirchen gewandt. Beide unterstützen unsere Ausbildungen mit namhaften finanziellen Beiträgen. Beide haben aber auch ein vitales Interesse daran, dass sie gute Kirchenmusikerinnen und -musiker anstellen können.
Bald war das gemeinsame Ziel klar: die Öffentlichkeit von der Attraktivität der Kirchenmusik überzeugen sowie potenzielle Interessierte auf die Kirchenmusikausbildungen an der ZHdK aufmerksam machen. Als Medium wurde eine besondere Form der Öffentlichkeitsarbeit gewählt: ein Kirchenmusik-Wettbewerb, bei dem sowohl die kreative Idee wie auch die Darbietung dieser Idee beurteilt werden.
Wurden diese Ziele erreicht? Ich glaube, wir sind auf einem guten Weg. Die Resonanz von «Klang & Gloria» war für ein erstes Mal recht gross. Von mehreren Seiten wurde ich auf die nächste Durchführung angesprochen. Die Mehrheit der Reaktionen auf die aufgeführten Beiträge fiel äusserst positiv aus. Gelobt wurde die Vielfalt der Stile wie auch der Mut zu Neuem. Ich plädiere jedenfalls dafür, die Idee weiterzuverfolgen.

Mein Wunsch wäre allerdings, dass mehr Chorleiter den Mut zur Kreativität aufbringen würden und sich anmeldeten. Mein Anliegen wäre es auch, dass die musikalischen Stile zwischen «avantgardistisch» und «popartig», also Literatur für die effektive kirchenmusikalische Praxis, stärker an einer nächsten Austragung des Wettbewerbs vertreten wären.
Und ganz persönlich werde ich mich dafür einsetzen, dass die Kirchenmusikausbildungen der ZHdK, die sich übrigens teilweise auch an versierte Amateure richten, im Rahmenprogramm aktiver sicht- und vielleicht auch hörbar werden.

Hat Kirchenmusik noch Zukunft? Ja, wie unter anderem das Beispiel von «Klang & Gloria» zeigt!

Text: Stephan Klarer

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Stephan Klarer, Dirigent und Kirchenmusiker, ist seit 1999 Dozent und Studienleiter an der ZHdK. Über 20 Jahre war er als aktiver Kirchenmusiker an verschiedenen Zürcher Kirchen tätig.