Kulturtipps

Wir empfehlen das neue Album «Mr. Lee» von Reinhard Mey, den portugiesischen Film «Ama-San» (Bild) und die Ausstellung «Heilige, Wunder und Visionen» im Kunstmuseum St. Gallen.

Musik

Er ist eine Kindheitsliebe von mir. Als ich sechs war, hat er mich mit «Ankomme Freitag den 13.» eingeladen. Ich habe dieses erste Rendezvous im Zuger Burgbachkeller leider krankheitshalber verpasst. Aber er war mir nicht böse und hat seine guten Wünsche schriftlich überbringen lassen.
Die Liebe zu Reinhard Mey ist all die Jahre geblieben. Mal feuriger, mal distanzierter. Als ich selbst eine Familie gründete, war er mir besonders nah. Als mich der zornige alte Mann belehren wollte, habe ich mich zwischenzeitlich leise vom Acker gemacht. Nun ist er mit seinem 27. Studioalbum und mit 73 Jahren wieder da. Und mit «Mr. Lee» blüht auch meine Liebe von neuem. Leise. Nachdenklich. Die Stimme leicht brüchig. Der Tonfall sachte. Jeder Text ein kleines Kunstwerk. Liebevoll. Wehmütig. Froh.
Und wieder lasse ich Reinhard Mey an meinem Leben teilhaben, als wär’s das seinige. Meine Verluste sind auch seine Verluste. Meine Liebe ist auch seine Liebe. Meine kleinen Abenteuer sind auch seine kleinen Abenteuer. Und meine Katze streunt auch durch sein Haus.

Thomas Binotto

«Mr. Lee»
Reinhard Mey, Label: Odeon/Universal. Als CD, Vinyl und MP3-Download erhältlich.

Kino

Seit mehr als zweitausend Jahren tauchen die Ama-San, die «Frauen des Meeres», in den Küstengewässern vor Japan, um am Meeresgrund Muscheln und andere Schalentiere zu fangen. Bei ihren Tauchgängen verwenden sie keine modernen Hilfsmittel und gehen an ihre körperlichen Grenzen. Bis heute wird die Tradition von Frauen am Leben gehalten, die der anstrengenden und gefährlichen Arbeit nachgehen.
Die portugiesische Filmemacherin Cláudia Varejão begleitet moderne Ama-San aus drei Generationen in ihrem Alltag, ohne Kommentar und musikalische Untermalung. Die Filmaufnahmen, die Gespräche und Gesänge der Frauen sprechen für sich. Der Dokumentarfilm gibt nicht nur faszinierende Einblicke in eine uralte Tradition, sondern auch in moderne Frauenleben im Japan der Gegenwart.

Laura Lots, Medientipp

«Ama-San» Portugal 2016. Regie: Cláudia Varejão. Besetzung: Mayumi Mitsuhashi, Masumi Shibahara u. a. Verleih: Vinca Film. Ab 16. Juni im Houdini Zürich

Ausstellung

2013 gelangte das Kunstmuseum St. Gallen mit einer Schenkung in den Besitz der grössten und bedeutendsten institutionellen Ikonensammlung der Schweiz. In der Ausstellung werden deren Highlights erstmals offen zugänglich gemacht. Die Aus- stellung versammelt Meisterwerke der Ikonenmalerei aus dem 16. bis 19. Jahrhundert in einer Inszenierung des Künstlers Gerwald Rockenschaub.

pd/bit

«Heilige, Wunder und Visionen» Kunstmuseum St. Gallen 9. 4. bis 11. 9. 2016, Di–So, 10–17 Uhr, Mi, 10–20 Uhr. Eintritt: 12.– (Vergünstigungen für AHV/IV-Bezüger, Lehrlinge, Schüler, Studenten)
www.kunstmuseumsg.ch