Mail aus Abu Dhabi

Martin Stewen (45) ist Priester der Diözese Chur und arbeitet seit Frühjahr 2015 im Apostolischen Vikariat in Abu Dhabi. Von dort berichtet er regelmässig im forum. Dieses Mal über den Ramadan.

In den Tagen des Junis und Julis bricht für viele Menschen eine spezielle Zeit an. Vielleicht hast du am Arbeitsplatz den einen oder anderen Muslim beobachtet, der seit Arbeitsbeginn nicht gegessen und nicht getrunken hat. Und nun weisst du: Es ist Ramadan – in diesem Jahr vom 6. Juni bis 5. Juli. Das Fasten ist neben dem öffentlichen Glaubensbekenntnis, dem täglichen rituellen Gebet, der sozialen Spende und der Wallfahrt nach Mekka eine der fünf Säulen des Islams.

Höchstwahrscheinlich wird dieses Fasten etlicher Nachbarn und Kollegen von der Öffentlichkeit in der Schweiz gar nicht gross wahrgenommen werden. Im arabischen Lebensraum bestimmt es aber das ganze Alltagsleben in dieser Zeit. Das tägliche Fasten dauert vom Sonnenaufgang bis zum Sonnenuntergang und wird allabendlich mit dem Fastenbrechen beendet. Im letzten Drittel der Nacht wird noch einmal eine Mahlzeit eingenommen, die wie ein Segen für den aufkommenden Tag sein soll.

Die fehlende Nahrung und vor allem das fehlende Wasser erweisen sich bei Tagestemperaturen von gut 45°C in Arabien schon einmal als grosse Herausforderung. So findet dann auch das öffentliche Leben am Tag nur noch sehr limitiert statt – es wird etwa wesentlich weniger gearbeitet. Bricht dann aber die Nacht herein und beendet ein Signal – in Abu Dhabi ein Kanonendonner – den Tag, beginnt auf den Strassen das Leben: Alle Geschäfte und Einkaufszentren haben bis weit nach Mitternacht geöffnet. Bis mit der aufgehenden Sonne des neuen Tags wiederum das Fasten beginnt. Mit dem Eid al-Fitr, dem grossen Fest des Fastenbrechens, wird der Ramadan beendet.

Eine Zeit im Jahr, der sich niemand im Land entziehen kann – gleich, ob Muslim oder Nicht-Muslim.

Text: Martin Stewen

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Martin Stewen (45) ist Priester der Diözese Chur und arbeitet seit 2015 im Apostolischen Vikariat Südarabien.