Kulturtipps

Wir empfehlen die TV-Serie «Call the Midwife», den neuen Bildband «Vom Glück» von ferment, eine Zeitschrift über namenlos gebliebene Frauen der Bibel, das Buch «Bin ich schuld?», sowie den Film «Le Miracle de Tekir».

TV-Serie

Man nehme die 1950er-Jahre, junge Hebammen, ein Frauenkloster sowie ein Arbeiterviertel und mache daraus eine erfolgreiche Serie. Genau das ist der BBC mit «Call the Midwife» gelungen. Basierend auf den Lebenserinnerungen der Krankenschwester Jennifer Worth, dreht sich die gesamte Serie um Geburtshilfe. Allerdings nicht in putziger Familienidylle, sondern in der sozialen Not des Arbeiterviertels Poplar im verarmten Londoner West End. Die von der Kirche angestellten und bei Ordensschwestern lebenden Krankenschwestern sind deshalb nicht nur für medizinische Belange zuständig, sie sind fast genauso sehr Sozialarbeiterinnen. Rassismus, Sucht, Missbrauch, Emigration, Abtreibung – diese und andere brisante Themen und Fragen werden von «Call the Midwife» nicht ausgeklammert oder pittoresk verharmlost. Im Mittelpunkt der Serie steht die junge Jenny Lee, die sich unter «Nonnatus House» eine traditionelle Klinik vorgestellt hat und nun unvermutet in einem Konvent landet, in dem Nonnen gemeinsam mit Krankenschwestern leben und arbeiten. «Call the Midwife» gelingt es, eine heute noch brisante Sozialstudie mit menschlicher Wärme zu verbinden, so dass die Serie in gut englischer Tradition bei aller Härte auch gute Unterhaltung bietet. Seit 2012 sind bislang 39 Episoden in fünf Staffeln produziert worden – die sechste Staffel ist in Vorbereitung.

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«Call the Midwife» BBC One. Die Staffeln 1–3 sind auf DVD und bei Netflix erhältlich (in deutscher und englischer Fassung).

Bildband

Der neue ferment-Bildband sucht nach dem Glück: Glück meint, mein eigenes Leben und kein anderes wollen, mich an eine Aufgabe hingeben, mich wohl fühlen in meiner Haut und für Momente ganz vergessen können. Glück meint Rückenwind und Sauerstoff, belebt und beatmet, schiebt an und lässt anpacken. Glück ist viel, aber nicht alles. Glück ist schön, aber nicht das Schönste. Und Glück ist Leben, das im Kleinen und Konkreten eine neue Welt entwirft, in der es keine Glücklosen und keine Unglücklichen mehr gibt. Ein fröhlich nachdenklicher Sommermix.

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ferment-Bildband «Vom Glück» Fr. 16.– (plus Versand). Bestellung: Pallottiner Verlag, Postfach, 9201 Gossau. Tel. 071 388 53 30, info@ferment.ch, www.ferment.ch

Zeitschrift

Die Zeitschrift «Bibel heute» befasst sich mit den namenlosen Frauen in den Evangelien. Vier namenlose Frauen sind exemplarisch ausgewählt und werden in jeweils eigenen Beiträgen genauer betrachtet: die nicht jüdische Frau, von der Jesus etwas lernt; die Mutter von Johannes und Jakobus, die sich für ihre Söhne einsetzt; die Frau, die Jesus mit Öl salbte, und die Frau mit dem Blutfluss. Ein weiterer Blick gilt den Frauen, von denen Jesus in seinen Gleichnissen erzählt.

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«Wer seid ihr? – Frauen ohne Namen» Bibel heute 206, Fr. 11.– (plus Versand). Bestellung: Bibelpastorale Arbeitsstelle SKB, Bederstrasse 76, 8002 Zürich. Tel. 044 205 99 60, www.bibelwerk.ch

Buch

Kurze Texte, die immer von persönlichen Begegnungen oder Lebenssituationen ausgehen, nehmen menschliche Grundfragen auf: Warum bin ich so, wie ich bin? Wie gehe ich mit mir selber um? Welches Ziel schwebt mir vor – verzweiflungswürdig weit weg oder in mir selber angelegt? Wenn Beziehungen oder Hoffnungen zerbrechen, Krisen sich einstellen, wer ist schuld? Behutsam und klar, wie in einem Gespräch, geht Spitalseelsorger Ludwig Hesse diesen Fragen auf den Grund und zeigt, welche Gottesbilder dahinterstehen. Der Wille Gottes ist keine Regieanweisung von weit ausserhalb oder oberhalb, sondern zeigt sich im Hineinhorchen in die eigene Seele.

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«Bin ich schuld? Glaube in Krisenzeiten. 25 Texte» Ludwig Hesse, Edition NZN bei TVZ, Zürich 2016, 160 Seiten, Fr. 24.80, ISBN 978-3-290-20133-3

In einem Dorf am Donau-Delta lebt die unverheiratete Mara. Sie ist auf rätselhafte Weise schwanger geworden. Die lokalen Fischer machen die Schwangere dafür verantwortlich und wollen sie letztlich gar umbringen, was von Priester Andrei gerade noch verhindert wird. Mara flüchtet in ein nahegelegenes Luxus-Hotel, wo unfruchtbare Frauen behandelt werden.
In ruhigen stimmigen Bildern und einer subtilen und doch spannenden Erzählweise prallen zwei Welten aufeinander: die eine geprägt von Tradition, Mysterien und Glauben – unsichtbar und unzugänglich; die andere geprägt von Moderne, Wissenschaft und Zweifel – materialistisch und kontrollierbar. Der thematisch vielschichtige Film betont, dass Leben und Schöpfung Mysterien sind und bleiben.

Thomas Schüpbach, medientipp

«Le Miracle de Tekir» Rumänien/Schweiz 2015. Regie: Ruxandra Zenide. Besetzung: Dorotheea Petre, Elina Löwensohn, Bogdan Dumitrache… Dienstag, 12. Juli, 12.15 Uhr im LunchKino Special in Anwesenheit der Regisseurin. www.arthouse.ch

Text: Redaktion forum