Mit ruhiger Umsicht

Der Synodalrat begrüsst die Konkretisierung der Diskussion um ein Bistum Zürich, mahnt aber gleichzeitig zu Sorgfalt und Bedacht.

Der Synodalrat der Römisch-katholischen Körperschaft hat mit einem Schreiben an Diözesanbischof Vitus Huonder auf dessen Umfrage bezüglich Bistum Zürich reagiert. Das forum dokumentiert an dieser Stelle auszugweise den Brief des Synodalrats:

Zunächst nimmt der Synodalrat «mit grosser Befriedigung zur Kenntnis», dass sich Bischof Huonder den Gründen, welche für die Gründung eines Bistums Zürich sprechen, anschliesst.
Es «stellt sich jedoch die Frage, ob die Einsetzung einer kleinen Kommission, die sich mit den vorgebrachten Argumenten pro und contra vertieft auseinandersetzt und das Projekt ‹Bistum Zürich› weiter prüft, zum jetzigen Zeitpunkt angezeigt ist.
Wie in jedem Projekt, so ist auch im vorliegenden der Projektvorbereitung grösste Beachtung zu schenken. In dieser Phase geht es darum, zu klären, ob ein Projekt überhaupt gestartet werden soll. Mit anderen Worten geht es also darum, die Voraussetzungen, welche für einen erfolgreichen Projektabschluss unabdingbar sind, zu schaffen.
Die Organe der Römisch-katholischen Körperschaft des Kantons Zürich haben in allen jüngeren Beschlüssen, welche sie zu diesem Thema gefasst haben, zwei derartige Voraussetzungen genannt:
Erstens: Ohne die Zustimmung der übrigen Bistumskantone kann eine Herauslösung des Kantons Zürich aus dem Bistum Chur nicht vollzogen werden.
Zweitens: Die Synode 72 forderte für alle Diözesen eine rechtlich festgelegte Mitwirkung ortskirchlicher Gremien bei der Wahl der Bischöfe. Diese Mitwirkung muss bestehenden Mitentscheidungsformen mindestens gleichwertig sein.»

Im Hinblick auf diese Voraussetzungen gibt der Synodalrat zu bedenken, dass für die erste als bekannt gelte, dass «die Kantone Uri (ohne Urserental), Ob- und Nidwalden, Glarus und Zürich dem Bistum Chur lediglich administrativ zugeordnet sind.
Unabhängig davon haben sich die staatskirchenrechtlichen Organe der ‹Bistumskantone› in der sogenannten ‹Biberbrugger Konferenz› zusammengeschlossen.
In einem ersten vorbereitenden Schritt ist deshalb in diesem Gremium auszuloten, unter welchen Voraussetzungen der Bildung eines Bistums Zürich zugestimmt werden könnte.

Bei allem Willen, auf ein Bistum Zürich hinzuarbeiten, suchen die Organe der Römisch-katholischen Körperschaft des Kantons Zürich den Konsens, ohne den die Atmosphäre in der katholischen Landschaft der Ostschweiz auf lange Zeit vergiftet würde.
Eine derartige Entwicklung ist auf jeden Fall zu vermeiden. Der Synodalrat spricht sich deshalb dafür aus, dass sich die Biberbrugger Konferenz mit dieser Thematik befasst und vor Beginn des ‹Projekts Bistum Zürich› die Eckwerte des zukünftigen Verhältnisses des Bistums Zürich zum Bistum Chur skizziert.»
Hinsichtlich der zweiten Voraussetzung hält der Synodalrat fest, dass die Mitwirkung bei der Bischofswahl ein Anliegen sei, «das beim Abschluss der gesamtschweizerischen Synode 72 breiteste Zustimmung fand, unter anderem auch von der Schweizer Bischofskonferenz.»

Abschliessend bedankt sich der Synodalrat bei Bischof Huonder für die Gelegenheit, sich mit seinen Vorschlägen zu befassen. «Wir sind dankbar für Ihre Initiative – und genau deshalb auch daran interessiert, den Prozess mit aller Sorgfalt und mit Bedacht zu einem guten Ende zu bringen. Dies vor allem auch in Ihrem Sinne und in Ihrer Erkenntnis, dass die Errichtung eines Bistums Zürich aus pastoraler Sicht geboten ist.»

Text: pd/bit