Stolperstein: «Exkommunikation»

Exkommunikation ist ein hartes Wort, das in der Praxis glücklicherweise viel seltener angewendet wird als es die einen befürchten und die anderen verlangen.

Michel Platini ist für vier Jahr gesperrt und darf im Zusammenhang mit Fussball keinerlei offizielle Funktionen ausüben. «Seine» Europameisterschaft im eigenen Land findet damit ohne den Ex-Uefa-Präsidenten und Ex-Euro-Helden statt. Platini darf sich nicht einmal öffentlich über Fussball äussern. Selbst der Besuch im Stadion als Privatmann wäre rechtlich heikel. Platini ist von der Fussball-Gemeinde ausgeschlossen.

In der Kirche spricht man in solchen Fällen von Exkommunikation. Exkommunizierte dürfen keine kirchlichen Dienste übernehmen und sind vom Empfang der Sakramente ausgeschlossen. Am häufigsten fällt das harte Wort, wenn es um wieder verheiratete Geschiedene geht. Diese seien automatisch exkommuniziert, wird gemeinhin behauptet.

Papst Franziskus hat das allerdings an einer Generalaudienz im August des vergangenen Jahres mit deutlichen Worten verneint: «Diese Menschen sind nicht exkommuniziert. Und sie werden auch absolut nicht so behandelt, sie gehören weiterhin zur Kirche.» Und tatsächlich findet man weder im Kirchenrecht noch im Katechismus eine entsprechende Bestimmung, dass wieder verheiratete Geschiedene vom Empfang der Sakramente automatisch ausgeschlossen wären.

Woher kommt dann aber diese rigide Auslegung? – Von einer extremen Engführung im Verständnis der Sakramente. In dieser muss man für den Empfang der Sakramente vor allem besonders würdig und nicht besonders bedürftig sein. Wer als Sünder gilt, darf in dieser Enge nicht zur Kommunion.

Franziskus hat ganz offensichtlich ein ganz anderes Sakramentenverständnis. Er betont unablässig unsere Bedürftigkeit. «In den schwierigen Situationen, welche die am meisten Bedürftigen erleben, muss die Kirche besonders achtsam sein, um zu verstehen, zu trösten, einzubeziehen, und sie muss vermeiden, diesen Menschen eine Reihe von Vorschriften aufzuerlegen, als seien sie felsenstark.» schreibt er in «Amoris laetitia».

Papst Franziskus verkörpert eine Kirche der Umarmung und Zärtlichkeit und nicht eine der Separation und Ausschliesslichkeit. Deshalb ist ihm Barmherzigkeit ein so zentrales Anliegen. Nicht als herablassendes Mitleid, sondern als geschwisterliches Zeichen der Liebe, wo der Sünder den Sünder umarmt.

Text: Thomas Binotto