Kulturtipps

Wir empfehlen einen besonderen Führer durch Zürich, ein evangelisches Magazin aus Deutschland, die Fernsehserie «Der Tatortreiniger» (Bild) sowie den Kinofilm «Toni Erdmann».

Buch

Zürich ist die Stadt der Aktivität, des Erfolgs, der Hektik, der Moderne – eine Stadt mit Spass und Action rund um die Uhr, oft atemlos, manchmal auch gnadenlos. Gerade die Sommermonate laden jedoch dazu ein, eine andere Seite Zürichs zu entdecken. Mit der ehemaligen Stadträtin Monika Stocker besuchen wir die Stille, die Ränder, die kraftvollen Orte. Zusammen mit ihr begegnen wir besonderen Städterinnen und Städtern, oft aus vergangenen Zeiten. Monika Stocker unterhält sich mit Ulrich Zwingli, Alfred Escher oder Hans Heinrich Pestalozzi, spricht mit Katharina von Zimmern und Felix und Regula. Im Gespräch mit ihnen setzt Monika Stocker sich auseinander mit dem, was war und heute geschieht. Sie redet aber auch mit dem Stadtengel, der sich öfters auf ihrer Terrasse ausruht und ihr vertraut wird. Vielleicht zieht sich ja ein besonderes Koordinatensystem durch unsere Stadt – eines, das zusammenhält, das heilt. Ihr Buch lädt ein, die meditativen Seiten der modernen Grossstadt wahrzunehmen, mal poetisch, mal schelmisch, mal kämpferisch.

pd/bit

«Nun muss ich Sie doch ansprechen – Zürcher Stadtmeditationen» Monika Stocker, TVZ 2014, 144 Seiten, Fr. 25.00, ISBN 978-3-290-17762-1

Zeitschrift

Seit bald 16 Jahren leistet sich die Evangelische Kirche Deutschland «chrismon». Auf hohem journalistischen und gestalterischen Niveau werden Gesellschaft, Kultur und Religion beleuchtet. Im aktuellen Heft beispielsweise mit dem Interview eines Amerikaners, der zwei Jahre Geiselhaft in Syrien überlebte. Oder einem Beitrag, der einen kritischen Begriff von Resilienz fordert. Der Hauptbeitrag ist dem Maler Hieronymus Bosch gewidmet, der vor 500 Jahren gestorben ist. Er wird als Vertreter der Popkultur entdeckt – noch bevor es diesen Begriff gab.

bit

«chrismon – Das evangelische Magazin» Juli 2016. «chrismon» steht online kostenlos zum Download zur Verfügung. «chrismon plus» mit 26 zusätzlichen Seiten erhält man im Abonnement.
www.chrismon.de

Fernsehserie

Er ist längst Kult und inzwischen seit fünf Jahren und 24 Folgen am Werk. Bei seiner eigentlichen Arbeit wird man Heiko «Schotty» Schotte allerdings kaum je ertappen. Er soll zwar, wenn alle polizeilichen Ermittlungen vorüber sind, Tatorte reinigen, aber er verheddert sich dann doch immer in Gespräche mit jenen Menschen, denen er dort begegnet.
Und obwohl Schotty ziemlich schlicht gestrickt ist, gerät er unversehens ins Philosophieren, mutiert manchmal gar zum unorthodoxen, aber verständnisvollen Therapeuten. In der bislang letzten Staffel wollen ihm zwei Bestattungsunternehmer ihren «Vollservice» andrehen. Wird er in einem Institut für Biotechnologie mit unserer künstlichen Zukunft konfrontiert. Trifft er auf alte Freunde, alte Schulden und alte Animositäten. Und wird von einem Gast in einer Eisdiele extrem herausgefordert. Die Prunkstücke allerdings sind «Das freie Wochenende» und «Anbieterwechsel». In der einen Folge kümmert sich Schotty widerwillig um eine Frau am Rande des Nervenzusammenbruchs und zeigt ihr den Weg von der kreativen Lüge zur befreienden Wahrheit. In der anderen muss er sich der Frage stellen, ob er sich um seinen Glauben genauso intensiv bemüht wie um sein Handy. Und wo und wann beginnt eigentlich das Paradies?
Jede Folge ist ein originelles Kammerspiel mit überraschenden Gesichtspunkten. Von Bjarne Mädel und seinen wechselnden Mitspielerinnen und Mitspielern herausragend gespielt. Trockener, liebevoll absurder norddeutscher Humor vom Feinsten!

Thomas Binotto

«Der Tatortreiniger» Deutschland 2015. Staffel 5 (Folgen 19–24).
Auf DVD und BluRay erhältlich. VoD bei Netflix. Ab 17. Juli auf EinsPlus.
www.ndr.de/fernsehen/sendungen/der_tatortreiniger

Kino

Ines traut ihren Augen nicht, als ihr Vater Winfried unangemeldet an ihrem Arbeitsplatz in Bukarest auftaucht. Der Scherzkeks und die Unternehmensberaterin scheinen von verschiedenen Planeten zu stammen. Mit Perücke und Spassgebiss schlüpft Winfried in die Rolle seines Alter Egos Toni Erdmann und mischt als solcher das Leben seiner Tochter zwischen oberflächlichen Partynächten und unterkühlter Geschäftswelt kräftig auf. «Toni Erdmann» ist Komödie und dramatisches Familienporträt zugleich. Mit Humor und Ehrlichkeit greift Regisseurin Maren Ade familiäre Spannungen auf und schlägt gleichzeitig kritische Töne zu Sexismus in der Arbeitswelt und rücksichtsloser Profitmaximierung an. Der vielschichtige Film wurde völlig zu Recht in Cannes 2016 mit dem Preis der FilmkritikerInnen geadelt.

Laura Lots, Redaktion Medientipp

«Toni Erdmann» Deutschland/Österreich 2016. Regie: Maren Ade. Besetzung: Peter Simonischek, Sandra Hüller… Verleih: Filmcoopi Zürich AG.
Ab 21. Juli im Kino Riffraff.

Text: Redaktion forum