Mail aus Abu Dhabi

Martin Stewen (45) ist Priester der Diözese Chur und arbeitet seit 2015 im Apostolischen Vikariat in Abu Dhabi. Er berichtet für das forum von seinen Erfahrungen. Dieses Mal vom Katholikentag.

Im Mai fand in Leipzig der 100. Deutsche Katholikentag statt – und das Apostolische Vikariat Südarabien war dabei. Mitten auf der Kirchenmeile, dem Ort am Katholikentag, wo sich die (deutschen) Bistümer präsentieren, waren wir mit unserem Zelt zugegen.

«Wie, da gibt’s Christen?» Diese Frage haben wir wohl gefühlte x-hundert Mal beantwortet. Und dabei festgestellt, dass Arabien für viele Menschen in Europa unbekanntes Terrain ist. Zugegeben: Zugleich waren zwei Mitreisende aus unserem vierköpfigen Team zum ersten Mal in Europa. Und haben über die Kirche hier gestaunt.

Bei Datteln und arabischem Kardamom-Kaffee wurde in unserem Zelt in vielen Gesprächen lebendig, was «katholisch» meint: «allumfassend». Derweil die Besucher vor allem über das rege liturgische Leben in unserer Kirche staunten, haben unsere Leute aus dem Team die Vielfalt und die Möglichkeiten des Lebens der deutschen Kirche wahrgenommen: Abgesehen von unzähligen Gebetsgruppen gibt es in Arabien etwa keine Verbände oder Gruppierungen.

Und unsere Leute, für welche die europäische Kirche Vorbild ist, konnten immer wieder auch mitbekommen: Es ist auch hier nicht alles Gold, was glänzt – jede Kirche in der Welt hat mit ihren Herausforderungen zu kämpfen. Ist es in Europa vielleicht eine zu Trägheit neigende Glaubensgemeinschaft, sieht sich die Kirche in Arabien mit einem manchmal geradezu überbordenden Leben konfrontiert.

«Jetzt hab ich aber was gelernt», verabschiedeten sich viele Besucher. Ja, aber wir haben auch einiges mitnehmen können. «Katholisch sein» – das ist nicht nur einfach toll. Das gibt auch ganz schön zu tun.

Text: Martin Stewen

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Martin Stewen (45) ist Priester der Diözese Chur und arbeitet seit 2015 im Apostolischen Vikariat Südarabien.