Miteinander für Europa

5000 Menschen aus 32 Ländern – auch Zürcher – stehen in München für ein «Miteinander für Europa» ein.

Mitten auf dem Münchner Stachusplatz steht Marco Würgler vom Schweizerischen Diakonieverein in Rüschlikon. Er war von Anfang an dabei, seit christliche Bewegungen und Gemeinschaften aus allen Kirchen – heute sind es bereits 300 Gruppierungen – gemeinsam einen Weg der Freundschaft gehen und so der Ökumene und dem gemeinsamen Engagement neuen Schub gaben.

«Wir Gemeinschaften und Kirchen brauchen einander, als Ergänzung und Korrektiv», ist Würgler überzeugt. «Wir können nur gemeinsam ein glaubhaftes Zeugnis ablegen.»
Auf der Bühne wechseln sich Musik, Kurz-Referate, Tanzdarbietungen und persönliche Statements ab. Der reformierte Theologe Peter Dettwiler aus Zürich erzählt vom historischen Akt der Versöhnung 2004 zwischen Reformierten und Mennoniten, Nachfahren der Täufer, welche zur Zeit der Reformation verfolgt und getötet wurden. Metropolit Serafin Joanta, Kardinal Kurt Koch und der lutherische Bischof Otfried July teilen ihre Freuden, Leiden und Hoffnungen im Engagement für die Ökumene mit.

«Es geht uns nicht nur darum, die Christen einander näher zu bringen», sagt Marco Würgler, inzwischen unter dem Regenschirm – die Tropfen können das Publikum auf dem Stachusplatz allerdings nicht verscheuchen. Den Christen hier ist bereits im vorangegangenen zweitägigen Kongress klar geworden, dass sie sich nicht um sich selbst drehen dürfen, sondern in die Gesellschaft einbringen müssen – gerade heute, im Sog der «Fliehkräfte in Europa», wie Gerhard Pross vom Leitungskomitee des ökumenischen Netzwerkes sagte.

Viele Initiativen, für Flüchtlinge, Familien und Bedürftige, sind bereits im Gange. Papst Franziskus sagte in seiner Videobotschaft: «Euer Miteinander ist eine Kraft der Kohäsion und hat das klare Ziel, die Grundwerte des Christentums in konkrete Antworten auf die Herausforderungen eines Kontinents in Krise umzusetzen». Das arabisch gesungene Gebet der 17-jährigen Wajd Asmar aus Syrien berührt und erinnert an die weltweite Verantwortung Europas.

Im Car auf der Heimreise nach Zürich diskutieren Marco Würgler, Schönstatt-Pater René Klaus und Stephan Huber von den Vereinigten Bibelgruppen VBG über den nächsten «Miteinander»-Anlass in der Schweiz, der im Hinblick auf das Reformationsjubiläum im Flüeli-Ranft geplant ist.

Text: Beatrix Ledergerber-Baumer