Starke Worte in Armenien

Vom 24. bis 26. Juni 2016 hat Papst Franziskus Armenien besucht. Es war, in vielerlei Hinsicht, ein bedeutender Besuch, obwohl die Reise in den traditionellen Medien wenig Beachtung fand.

Dieser Besuch, aber noch mehr die Worte von Papst Franziskus, formten eine klare und sichtbare Haltung der Katholischen Kirche zum Schicksal der Armenier.

Bei dieser Reise gab es diverse diplomatische und politische Hürden zu meistern. Armenien ist zwar formell seit 1991 unabhängig, dennoch leidet die ehemalige Sowjetrepublik unter innerpolitischen Problemen. Aussenpolitisch wurde auch das Gebiet um die Region Bergkarabach von Papst Franziskus erwähnt, der um eine friedliche Lösung für diesen Konflikt gebeten hat.

Weitaus schwieriger präsentiert sich die Beziehung zur Türkei. Der Genozid an den Armeniern, der seinen Höhepunkt im Jahr 1915 erreicht hat, forderte rund 1,5 Millionen Tote.

Noch immer wird der Völkermord von der Türkei nicht anerkannt. Umso wichtiger war der Besuch von Papst Franziskus. Im Gegensatz zu anderen Regierungschefs, sowie Politikern, liess er sich von den türkischen Drohgebärden nicht abhalten und reiste demonstrativ in dieses christliche Land, das beispielhaft für den Tod so vieler Christen steht.

Papst Franziskus sprach während der Reise mehrmals explizit von einem Genozid. Dies tat er ganz bewusst, weil man an diesen Genozid nicht nur erinnern sollte, sondern müsse. Bereits Papst Johannes Paul II. hat das Schicksal der Armenier mehrmals erwähnt und hat das Land ebenfalls besucht. Papst Franziskus führt also diese Tradition fort und rückt damit nicht nur die Armenier in den Vordergrund. In seinen Reden erwähnte er mehrmals die tragische Situation vieler Christen in aller Welt, besonders im Nahen Osten.

Die Reise nach Armenien war sicherlich auch ein wichtiges Zeichen für die Ökumene. Die armenisch-apostolische Kirche hat weltweit rund neun Millionen Gläubige und die Beziehungen zwischen dem Katholikos, Karekin II., und der Katholischen Kirche sind vielfältig.

Leider konnte der Besuch der armenisch-katholischen Kirche jedoch nicht zu der Plattform verhelfen, die sie so dringend nötig hätte. Rund eine Million armenisch-katholische Gläubige gibt es weltweit. Die Kirche hat ihren Sitz im Libanon, und in Armenien selbst gibt es eine kleine katholische Gemeinschaft.

Noch immer werden die armenisch-katholischen Gläubigen in Armenien nicht gern gesehen. Für viele gelten sie als Verräter. Der Papstbesuch hat wohl einige diplomatische Hürden bezwungen, aber er konnte nicht den Fokus auf die katholische Seite lenken.

Die armenisch-apostolische Kirche wird auch dieses Mal die Früchte ernten. Es wäre wünschenswert gewesen, wenn im Programm der Reise mehr Platz für die katholische Seite eingeplant gewesen wäre. Gerade die armenisch-katholische Kirche leidet ganz besonders unter der Situation im Nahen Osten. Viele Gläubige wurden umgebracht oder mussten fliehen. Die Katholiken kämpfen einerseits genauso für die Anerkennung des Genozids wie alle Armenier, müssen aber gleichzeitig auch um ihren Stand innerhalb der Katholischen Kirche besorgt sein. Selbstverständlich kann Papst Franziskus in so einer kurzen Zeit keine Wunder vollbringen, dennoch hätten die Katholiken diesen Besuch mehr zu ihren Gunsten auslegen müssen, auch indem sie offen und klar kommunizieren würden.

Als Fazit bleibt zu sagen, dass Papst Franziskus hoher Respekt gebührt, indem er, trotz Protesten, so klare Worte gewählt hat. Ein wichtiges Zeichen für Armenien und für alle Christen.

Text: Adrienne Suvada

Angebot laufend

Adrienne Suvada hat im Juni 2016 über die «Institutionelle Kommunikation und Organisation der armenisch-katholischen Kirche» an der Universität Santa Croce in Rom doktoriert.