Hausmission in Zürich

Zu Besuch bei Kapuzinerpater Josef Hangartner.

Mit verschmitztem Lächeln und wachem Blick kommt uns der 90-jährige Bruder im braunen Habit entgegen, leicht schief läuft er durch den Gang im Kloster Rapperswil. Mit ruhiger Hand zündet er im Besuchszimmer die Kerze an. Wie muss man sich «Hausmission» vorstellen, seine Aufgabe in Zürich?

«Ich habe alle Pfarreiangehörigen besucht. Das war natürlich uferlos», lächelt Bruder Josef. Von 1969 bis 1982 und von 1986 bis 1994 lebte er in der Kapuzinergemeinschaft in Zürich-Seebach. Im Auftrag verschiedener Stadtpfarreien war er jeden Tag vom Mittag bis um 22 Uhr von Tür zu Tür unterwegs. Nicht auf Voranmeldung, er klingelte und schaute, ob jemand da war.

«Die Leute waren einsam, sie waren wegen der Arbeit aus der Innerschweiz nach Zürich gekommen und fühlten sich hier fremd. Sie freuten sich, dass ein Kapuziner kam, das kannten sie aus ihrer Heimat.» Er habe viele Italiener, Spanier und Portugiesen besucht und sei jeweils froh um sein Gymi-Italienisch gewesen.

Im Kloster Rapperswil ist der ehemals in Zürich wirkende Kapuziner Josef Hangartner für seinen liebenswürdigen Humor bekannt.

Im Kloster Rapperswil ist der ehemals in Zürich wirkende Kapuziner Josef Hangartner für seinen liebenswürdigen Humor bekannt. Foto: Christoph Wider

Josef Hangpartner zeigt stolz den üppigen Klostergarten.

Josef Hangpartner zeigt stolz den üppigen Klostergarten. Foto: Christoph Wider

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«Ich habe ein wenig mein Herz verloren in Zürich. Ich schätzte den Kontakt mit den Menschen, unser Haus in Seebach lag schön, man konnte gut wandern von hier aus.» Mit dem Pfarrer von Seebach hätten sich die Kapuziner gut verstanden: «Er lud uns am Sonntagabend manchmal zu einem roten Kafi ein», schmunzelt Bruder Josef: «ein Glas Wein!»

Eigentlich wäre Bruder Josef gern in die Missionen nach Afrika gegangen. Er war bereits in London zur Vorbereitung, musste dann aber wegen gesundheitlicher Probleme hier bleiben. Hausmission sei auch Mission, hätten die Oberen gesagt, meint er mit einem Augenzwinkern.

Auf dem Weg in den Garten kommen wir bei Yvonne Pally, freiwillige Mitarbeiterin an der Pforte, vorbei. «Bruder Josef ist unser Liebling», sagt sie. «Trotz seines hohen Alters geht er mit der Zeit: findet eigene, den Gästen angepasste Worte im Gebet, ist offen, immer dankbar und positiv. Und er hat sich einen köstlichen Humor bewahrt.»

Eine Kostprobe? Beim Gestell mit Süssmost- und Wasserflaschen sagt Bruder Josef schelmisch: «Hier ist unser Bier und Schnaps.» Und wo geht’s zum Garten? «Wir können auch durchs Fenster steigen», lächelt der alte Pater harmlos. Dann geht er aber doch durch die Türe, zeigt uns den üppigen Klostergarten, Bruder Gärtner und die wunderschöne Aussicht auf den Zürichsee.

Text: Beatrix Baumgartner-Baumer