Heimat als Entdeckung

Gemeinsame Ausflüge, aber auch eine Nähmaschine oder einen Kühlschrank organisiert der Verein «Welcome – We Care» für Flüchtlinge in Uetikon.

«Das ist ein Storch!» Umringt von kurdischen Kindern, erklärt Frank Wenzinger die schweizerische Fauna. Er zeigt auf Tierfotos auf einem Plakat im Naturschutzgebiet Männedorf. Auch die Erwachsenen hören zu, fragen nach, wollen wissen, was es mit dem Storch auf sich hat.

Drei kurdisch-syrische Familien wandern an diesem Mittwochnachmittag bei praller Hitze durch gelbe Weizenfelder und Naturschutzgebiete. Klagende, kurdische Musik erklingt aus einem Handy, zwei Frauen mit Kopftuch gestikulieren heftig, während der Kleinste der rund 20-köpfigen Gemeinschaft auf den Schultern der Erwachsenen – Schweizer und Syrer – umhergetragen wird. Die Stimmung ist freundschaftlich, familiär.

«Welcome – We Care», so nennt sich der Verein, der von Frank Wenzinger aus Uetikon gegründet wurde. Mit Waldspaziergängen, Ausflügen in den Zoo und Grillnachmittagen heissen Freiwillige die Flüchtlinge aus Syrien, Afghanistan und Iran willkommen und zeigen ihnen ihre neue Heimat.

Verein «Welcome We Care».

Verein «Welcome We Care».

Verein «Welcome We Care».

Verein «Welcome We Care».

1 | 1

Dies geschieht in enger Zusammenarbeit mit den Kirchen von Uetikon und Männedorf, geplant sind verschiedene gemeinsame Projekte für die Sommerferien. Unter anderem sollen wöchentliche Spiel- und Bastelnachmittage ermöglicht werden.

Dazu werden noch Freiwillige gesucht, die mit den Kindern jeweils donnerstags basteln oder je nach Wetter draussen Fussball spielen – sowie gebrauchte Wanderschuhe, um auch Wanderungen unternehmen zu können.

Frank Wenzinger, der in seinem Leben viel Gutes erfahren durfte, möchte «den Flüchtlingen etwas davon zurückgeben». Simpel und konkret: Das Auftreiben einer Nähmaschine für Azzadin, gelernter Näher aus Aleppo (Syrien) zum Beispiel. Oder ein etwas grösserer Kühlschrank, da viel mit Milch gekocht wird.

«Baba, Baba!» Der 6-jährige Muhamed rennt auf Frank zu, um ihm einen gefundenen Stein zu zeigen. Die ungezwungene, vertraute Beziehung wird sofort klar: «Sie sagen mir Baba. Ich bin ein Bestandteil der Familie und werde praktisch täglich zum Nachtessen eingeladen», Frank schmunzelt.

Auch später, bei «Kaffee und Zigarette» im Haus der Flüchtlingsfamilie wird klar: Hier begegnen sich Menschen auf Augenhöhe. Auf die Frage, was ihm die Flüchtlinge zurückgeben, antwortet Frank schlicht: «Die Dankbarkeit dieser Menschen ist mir zutiefst Geschenk».

Text: Luana Nava

Angebot laufend

Der «Runde Tisch» in Uetikon engagiert sich für die Flüchtlinge im Ort. Dazu gehören nebst «Welcome – We Care» Renate Raths-Trudel und Heinrich Trudel (Solinetz), die ref. Kirchgemeinde Uetikon am See, die Freie Evangelische Gemeinde und die kath. Pfarrei St. Stephan Männedorf-Uetikon.