Kulturtipps

Wir empfehlen ein Buch von Hans Conrad Zander, eine evangelische Zeitschrift zum Thema «Landschaften», ein Buch über eine deutsch-baltische Pastorenfamilie sowie den Kinofilm «Paradise».

Buch

Hans Conrad Zander mag Papst Franziskus nicht. Das stellt er gleich im Vorwort klar und beweist damit auch mit 78 Jahren, dass er nicht gerne im Strom schwimmt. Das hatten seine «Zanderfilets» schon immer an sich: Sie eröffnen überraschende Sichten, argumentieren originell und locken mit der Provokation.

Inzwischen lässt Zander dem inneren Kulturpessimisten zwar zunehmend Auslauf, aber langweilig wird es in seiner Gelehrtenstube dennoch nie. Nach wie vor kocht er seine intellektuellen Gaumenkitzler mit sprachlicher Brillanz, leichtgängigem Witz und profunder Bildung. Wer allerdings bereits seit Jahren an Zanders Tafel sitzt, der sei gewarnt: In diesem Band werden leider nur sehr wenige neue Zanderfilets aufgetischt.

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«Zanderfilets – Eine Kulturgeschichte des Christentums in 25 Kabinettstücken». Hans Conrad Zander, Gütersloher Verlagshaus 2015. 208 Seiten. ISBN 978-3-579-07037-7.

Zeitschrift

Die evangelische Zeitschrift «frauen forum» befasst sich in der Juliausgabe mit dem Thema «Landschaften». Das sommerliche Heft führt durch vielgestaltige Landschaften. Es geht um die Bedeutung der Wüste und des Wassers in der Bibel, um Gärten und Parks, um versehrte und intakte Landschaften, um echte und imaginierte Reisen, um Landschaften der Kindheit, der Seele und des Körpers. Immer wieder scheint dabei auch die Sorge um die Bewahrung der Schöpfung auf.

pd/bit

«frauen forum» Juli/August 2016 «Landschaften» Die Einzelnummer kostet Fr. 7.– Bestellung: frauen forum, Margrit Holstein, Hagenbachstr. 7, 4052 Basel, Tel. 061 311 06 73, frauenforum@solnet.ch, www.zeitschrift-frauenforum.ch

Buch

Friedrich Nietzsche, Vincent van Gogh, Albert Schweitzer, Ingmar Bergman, Angela Merkel, Katy Perry – die Liste prominenter Pfarrerskinder ist lang. «Programmiert» von Martin Luther, hat das evangelische Pfarrhaus vor allem in Deutschland die Geistesgeschichte geprägt. Es soll als Ideal eines christlichen Hauses und Haushalts ausstrahlen. Cord Aschenbrenner, selbst Enkel und Grossneffe evangelischer Pastoren, verfolgt diese Geschichte unter den Stichworten «Glaube, Geist und Macht». Die packende Anschaulichkeit erhält sein Buch dadurch, dass es sich auf die deutsch-baltische Pastorenfamilie Hoerschelmann konzentriert. Über neun Generationen hinweg entsteht so das raum- und zeitgreifende Sittengemälde deutscher Geistlichkeit.

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«Das evangelische Pfarrhaus – 300 Jahre Glaube, Geist und Macht: Eine Familiengeschichte» Cord Aschenbrenner, Siedler 2015, 368 Seiten. ISBN 978-3-8275-0013-7.

Kino

Die 24-jährige Primarlehrerin Hanieh gehört zum Mittelstand in Teheran. Sie arbeitet in einem trostlosen Vorort und muss jeden Tag einen langen Arbeitsweg zurücklegen. Deshalb möchte sie sich ins Zentrum der Stadt transferieren lassen. Doch ihr Antrag steckt in der Administration fest. Als sie eines Tages in der Schule ankommt, werden zwei Mädchen vermisst, die womöglich entführt wurden. Angesichts dieses Ereignisses werden die Probleme der jungen Lehrerin belanglos. Der Film, der unter erschwerten Bedingungen heimlich gedreht wurde, konzentriert sich auf Alltagsszenen. Wie der Regisseur damit seinem Erstling die Mechanismen der institutionellen Gewalt offenlegt, ist beeindruckend. «Paradise» wurde am Filmfestival Locarno 2015 mit dem Preis der Ökumenischen Jury ausgezeichnet.

Charles Martig, Katholisches Medienzentrum

«Ma dar Behesht» Iran/Deutschland 2015. Regie: Sina Ataeian Dena. Besetzung: Dorna Dibaj, Fatemeh Naghavi… Verleih: filmcoopi. Ab 4. August im Houdini

Text: Redaktion forum