SOS Narrenschiff: Lob voran

Gerade hat uns Donald Trump wieder eine Lektion in Selbstlobhudelei erteilt. Täglich gab’s vom Parteitag der Republikaner eine Selbstlob-Schaltung.

Ehefrau Nummer 3 bejubelte ihren Donald in den höchsten Tönen. Ein Lob, in das Ehefrau Nummer 1 und Nummer 2 bestimmt bereitwillig einstimmen würden. Und Michelle Obama war ihnen sogar, wie wir inzwischen wissen, mit gutem Beispiel vorangegangen.

Selbstverständlich brach auch die tief empfundene Vaterliebe der Trump-Kinder immer wieder ganz spontan, uneigennützig und unverfälscht an die Oberfläche. Diese Präsentation von Trump als Allzweckwunder legt die Vermutung nahe, dass der Parteitag von einem auf Dauerwerbung spezialisierten Sender inszeniert wurde. Nach dem «Billiger-Jakob-Prinzip».

Deshalb: Wenn Sie Trump noch heute wählen, dann erhalten Sie dieses Schnäppchen nicht nur zum Sonderpreis, es gibt für Schnellwähler auch noch ein «Ich-lob-mich-selbst-Megaphon». Damit nicht genug, kriegen Sie obendrauf ein exklusives Shirt mit «Ich-bin-der-Grösste-Spruch». Und wenn Sie glauben, damit seien sie bedient, werden Sie sich über die «Ich-klopf-mir-selbst-auf-die-Schulter-Hand» ganz schön wundern.

Lügenbaron Münchhausen darf stolz auf Donald Trump sein und braucht sich nicht darum zu kümmern, ob der sich am eigenen Schopf oder am eigenen Toupet aus dem Sumpf zieht. Aber Trump ist nur der King unter lauter Volkssportlern, die sich gebärden, als wäre das Leben eine einzige endlose Casting-Show.

Melania Trump konnte bei Michelle Obama auch nur deshalb abkupfern, weil diese bereits ihren Mann Barak in den siebten Himmel gelobt hatte. Mit Bescheidenheit als Zier gewinnt niemand einen Blumentopf. Wer darauf wartet, dass sich seine Qualitäten ganz ohne Selbstwerbung durchsetzen, der kann sich grün und blau warten.

Deshalb wird nichts so liebevoll gepflegt wie das eigene Online-Profil. Sich für der Kamera aufbrezeln, das wird verkauft als Ganz-sich-selbst-werden. Werbesprüche werden bereits als Fakten gehandelt. Abstimmungsplakate als Analysen. Statt «Eigenlob stinkt!» fordern PR-Berater «Tue Gutes, und sprich darüber!». Anstelle von «lifere statt lafere!» gilt «lafere statt lifere!».

Der Tag ist nicht mehr weit, an dem Gerichtsverhandlung so ablaufen: Als erstes wird die Gattin des Angeklagten in den Zeugenstand gerufen, wo sie ein Loblied auf die edle Ritter-Natur ihres Liebsten anstimmt. Worauf sich der angeklagte Gatte tief gerührt über die Wahrheitsliebe seiner Gattin zeigt. Bis ihn die Geschworenen – von Begeisterung überwältigt – frei und heilig sprechen.

Text: Thomas Binotto