Stolperstein: «Erlösung»

Unser Glaube weist über die Begrenztheiten unseres Lebens hinaus, denn Gott liebt uns ohne jede Vorleistung.

Der atheistische Kommissar Carl jagt mit seinem muslimischen Assistenten Assad einen christlichen Mörder: So beginnt «Erlösung», der dritte Teil einer bekannten Krimi-Trilogie des dänischen Autors Jussi Adler-Olsen.

Die Hauptfiguren diskutieren darin über den Sinn von Erlösung und skizzieren das Ideal eines Glaubens, der über die Begrenztheiten des Diesseits hinausweist. Damit bringt der Krimi auf den Punkt, worum es auch der christlichen Theologie geht, wenn sie von der «Erlösung» durch Gott beziehungsweise Jesus Christus spricht:

Wir Menschen brauchen keine Angst um uns selbst mehr haben. Unser Glaube weist über die Begrenztheiten unseres Lebens hinaus, denn Gott liebt uns ohne jede Vorleistung. Diese Deutung gibt es bereits in der theologischen Tradition des frühen Christentums. So sagt der Kirchenvater Gregor von Nazianz (+ 390): Erlösung bedeutet die Vergöttlichung des Menschen und damit seine Erhebung zur vollen, von Gott gewollten Menschlichkeit.

Das ist schön formuliert, aber bleiben wir nicht oft genug hinter diesem Ideal zurück? Hatte Friedrich Nietzsche etwa Recht, als er meinte «…die Christen müssten mir erlöster aussehen. Bessere Lieder müssten sie mir singen, wenn ich an ihren Erlöser glauben sollte»?

Nicht ganz, jedenfalls wenn man Papst Franziskus folgt: Er sieht seine Kirche lieber erlösungsbedürftig, verbeult und menschennah als glänzend poliert und weltfremd. Im «Heiligen Jahr der Barmherzigkeit» wird das besonders beim Thema «Ablass» deutlich.

Wo das Wort «Ablass» auftaucht, stösst es je nach Gemütslage auf mildes Belächelt-Werden oder auf entrüstete Ablehnung. Denn der Ablass gilt als ein anachronistisches Relikt des Mittelalters, mit dem die Kirche für Geld den Himmel versprochen hat und sich dementsprechend die Gläubigen den Himmel erkaufen wollten.

In der Tat war der Ablass missbraucht und daher in seinem Anliegen missverstanden worden. Um das zu ändern, führte Papst Franziskus beim Weltjugendtag in Rio 2013 den Internet-Ablass ein. Unter dem Motto «Erst twittern, dann Erlösung» gewährte er auch denjenigen Teilnehmern des damaligen Weltjugendtags in Brasilien einen Ablass, die ihn über Twitter oder Facebook verfolgten.

So sehr man sich über diese Dinge streiten kann, zeigen sie etwas Wichtiges: Unser Glaube weist über die Begrenztheiten unseres Lebens hinaus, denn Gott liebt uns ohne jede Vorleistung. Das ist Erlösung und eine wahrhafte gute Nachricht.

Text: Christian Cebulj, Professor für Religionspädagogik und Katechetik an der THC