Fenster ins Paradies

Am ersten Montag im Monat wird in Zürich Dreikönigen die «heilige und göttliche Liturgie» im ostkirchlichen Ritus gefeiert – auch für Katholiken.

Während des orientalisch anmutenden Singsangs des Stundengebetes tröpfeln die Gläubigen in die Kirche. Im dezenten Licht leuchtet der Goldgrund der Ikonen von Christus, Maria und den Erzengeln Gabriel und Rafael auf Ständern mit kostbar gewobenen Tüchern. Die Ankommenden entzünden eine schlanke weisse Kerze und stecken sie in die vorbereiteten Sandschalen. Weihrauch erfüllt den Kirchenraum.

Mit kräftigem Bass beginnt der Priester mit dem gesungenen Segensgebet die Liturgie. Sie dauert anderthalb Stunden, jede Handlung und Bewegung, ruhig und würdig vollzogen, hat ihre Bedeutung. Tragend der Gesang, im Wechsel zwischen Priester, Diakon und dem Chor. «Wenn wir die Liturgie feiern, erleben wir einen Vorgeschmack des Paradieses», sagt P. Chrysostomos Kanavakis in der Predigt. «Wir versetzen uns in die Fülle, die Freude des Kommens Gottes.»

Seit über 40 Jahren wird in Dreikönigen ein slawisch-byzantinischer Gottesdienst gefeiert, immer am ersten Montag des Monats. Orthodoxe und mit Rom verbundene Ostkirchen feiern dieselbe Liturgie. Mit besonderer Beauftragung dürfen ihr auch römisch-katholische Priester, «birituelle Lateiner» genannt, vorstehen.
Jahrelang war dies in Zürich der Jesuit P. Robert Hotz. Nachdem er altershalber zurückgetreten war, kam P. Chrysostomos aus Deutschland, ein griechisch-katholisch, also ostkirchlich getaufter und geweihter Mönchspriester, wie er betont. Er wird von Diakon Daniel Blättler und dem Ministranten Beat Bloch unterstützt – zwei ostkirchlich wirkende Lateiner.

Wesentlich ist der Chor, die «Sängergemeinschaft Gregor Palamas», eine Gruppe des Schweizer Romanos-Chores. Werner Dudli ist seit über 30 Jahren in Dreikönigen im Chor, zuerst als Sänger, seit 2012 als Chorleiter. «Man wächst in diesen besonderen ostkirchlichen Gesang hinein», sagt der Hobby-Musiker. «Wer damit begonnen hat, kann es nicht mehr lassen.»
Als Präsident des Vereins für ostkirchliche Musik sorgt er dafür, dass Notenmaterial in der Originalsprache wie in Deutsch vorhanden ist, sammelt Tondokumente und unterstützt kirchenmusikalische Projekte – und damit auch die zunehmend grösser werdenden orthodoxen Gemeinden im deutschsprachigen Raum.

Text: Beatrix Ledergerber-Baumer