Kulturtipps

Buch

«Gott ist ein glühender Backofen voller Liebe, der da reicht von der Erde bis zum Himmel.» Der Reformator Martin Luther hat mit starken Bildern seinen tiefen Glauben zum Ausdruck gebracht: Im bekannten Weihnachtslied «Vom Himmel hoch, da komm ich her…» wie in Gedanken über den Tod, die Musik, die Kindererziehung oder die Kunst des Übersetzens.
Manchen Sätzen hört man ihre Entstehungszeit im Mittelalter an, andere wirken höchst modern. Im Hinblick auf das Reformationsgedenken 2017 hat der Schweizer Kardinal Kurt Koch, Präsident des Päpstlichen Rates zur Förderung der Einheit der Christen, 100 prägnante Worte Luthers in einem schmalen Bändchen zusammengestellt.

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«Luther für Katholiken. 100 Worte» Kurt Koch (Hg.), Verlag Neue Stadt, München Zürich Wien, 2016, 120 Seiten, Fr. 18.90, ISBN 978-3-7346-1096-7

Zeitschrift

Farbintensive Bilder mittelalterlicher Illustrationen, von Wüstenklöstern und Kunstwerken bereichern das Heft mit Beiträgen zur christlichen mystischen Tradition von den Wüstenvätern bis zur Neuzeit, von der Kabbala (jüdische Mystik) bis zum Sufismus (islamische Mystik). Auch Martin Luthers Christusverhältnis wird von der neueren Forschung als mystisch geprägt beschrieben.

In der Hochphase der Mystik im Mittelalter haben nicht nur Ordensleute Gott erfahren – mit Leib und Seele, wie sie es ausdrücken. Ein kirchengeschichtlicher Beitrag stellt zudem Teresa von Ávila und Johannes vom Kreuz vor.

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«Welt und Umwelt der Bibel» 3/2016: Mystik in Christentum, Judentum und Islam. Fr. 19.–, zzgl. Versand. Bibelpastorale Arbeitsstelle SKB, Bederstr. 76, 8002 Zürich, 044 205 99 60, info@bibelwerk.ch

Zeitschrift

 Fairer Handel beruhigt das Gewissen immer, aber nicht immer verbessert der Kauf von Fair-Trade-Produkten die Lebensbedingungen von Kleinbauern. Aber das ist der Anspruch, den vor allem Labelorganisationen wie Max Havelaar hochhalten.
Die Produzenten von Kaffee, Kakao oder etwa Baumwolle erhalten einen Mindestpreis, Vorfinanzierung und eine Fair-Trade-Prämie. Diese wird allerdings an die Kooperativen ausbezahlt. Der Nutzen, den einzelne Kleinbauern davon haben, ist nur schwerlich nachzuweisen.
Ein weiterer Unsicherheitsfaktor sind die börsenabhängigen Mindestpreise. Doch damit Fair-Trade mehr als der berühmte Tropfen auf den heissen Stein sein kann, bleibt im Norden und Süden noch viel zu tun.

pd/ps

«Fairer Handel: Nicht alles Gold, was glänzt» aufbruch Nr. 221, 28. 7. 2016. Mini-Abo (3 Ausgaben) Fr. 30.–; Jahresabo (6 Ausgaben) Fr. 88.–. Bezug: 079 628 25 78, abo@aufbruch.ch

Kino

Stéphanie verliert von einem Tag auf den anderen ihren Job und ihre Wohnung. Notgedrungen findet sie bei ihrer Mutter Unterschlupf. Doch diese benimmt sich merkwürdig. Dabei ist sie nur darum bemüht, ihre Liaison mit Nachbar Jean geheim zu halten.
Interessant an der Komödie ist die Prämisse, dass sich nicht nur die Tochter in ihrer Freiheit eingeschränkt fühlt, sondern auch die Mutter, die ihre heimliche Liebe gefährdet sieht. Daraus und aus spritzigen Dialogen mit trockenem Humor ergeben sich urkomische Situationen.

Der Film hat aber bei aller Unterhaltung auch einen sozialkritischen Unterton, stellt die Haltbarkeit unterdrückter Gefühle in Frage, thematisiert Verlust und existenzielle Angst.

Sarah Stutte, medientipp

«Retour chez ma mère» Frankreich 2016. Regie: Éric Lavaine. Besetzung: Alexandra Lamy, Josiane Balasko, Mathilde Seigner. Verleih: Pathé Films. www.willkommenimhotelmama.de Ab 11. August im Kino. www.arthouse.ch

Text: forum