Mail aus Abu Dhabi

Martin Stewen (45) ist Priester der Diözese Chur und arbeitet seit 2015 im Apostolischen Vikariat in Abu Dhabi. Er berichtet für das forum von seinen Erfahrungen. Dieses Mal von der Ferienzeit im Wüstenstaat.

Schon Wochen vor Ferienbeginn hat meine Chefin mir vorgeschwärmt: «Wir gehen in die Ferien nach Irland…» und auf meine erschreckte Unterbrechung: «Aber da regnet’s ja nur…» geantwortet: «Eben drum!»

In Abu Dhabi braucht es keinen Böögg, der den Sommer weissagt, denn der wird immer gleich: Gute 45 Grad gepaart mit einer Luftfeuchtigkeit, die das Wasser an den Fensterscheiben runterlaufen lässt. Da mag es einen nicht verwundern, wenn es Leute gibt, die sich auf einen verregneten Sommerurlaub irgendwo in der Welt freuen. Ich gehöre (noch) nicht dazu, aber ich kann inzwischen nachvollziehen, wie es zu solchen Wünschen kommt.

In Salalah, im Süd-Oman, gut zwei Autostunden nordwestlich von der jemenitischen Grenze gelegen, wo eine unserer Kirchen steht, gibt es ein interessantes Phänomen:
Im Sommer trifft dort der aus Asien kommende Monsun auf die Berge und regnet sich aus. Das Wetter dort gleicht dann dem Zürcher Frühsommer 2016.  Aber das ist kein Grund, Trübsal zu blasen. Im Gegenteil: Touristen aus Arabien pilgern dorthin – endlich Regen!

Viele, die Abu Dhabi verlassen und in die Sommerferien gehen, haben auch noch andere Absichten als Kühle und Erholung. Für all jene, die allein der Arbeit wegen nach Arabien gekommen sind, ist das nun die Gelegenheit, endlich wieder mit ihren Familien vereint zu sein.
Das ist nicht unbedingt nur Erholung. Oft haben sich die Väter oder Mütter in der Ferne vom Rest der Familie entfremdet und müssen nun wieder zueinander finden.
Und dann sind da auch die Vielen aus den Philippinen, aus Bangladesch oder Nepal, deren zwei- oder dreijähriger Arbeitsvertrag ihnen während der ganzen Zeit keinen Urlaub zugesteht.

Text: Martin Stewen

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Martin Stewen (45) ist Priester der Diözese Chur und arbeitet seit 2015 im Apostolischen Vikariat Südarabien.