Nach dem Weltjugendtag

Der Weltjugendtag (WJT) Krakau 2016 ist vorbei. Er wird Glauben und Kirchenbild der abertausenden jungen Teilnehmerinnen und Teilnehmer aus der ganzen Welt prägen. Die sollen ihre Eindrücke zu Hause zur Sprache bringen und weitertragen.

WJT Krakau 2016. Ein kirchliches Grossereignis. Geschätzte 2 Millionen junge Leute reisten im vergangenen Monat nach Polen. Sie erlebten vom 26. bis 31. Juli bis ins Detail choreografierte Grossveranstaltungen mit dem Papst und sie verbrachten Zeit mit Gesprächen über Gott und Glaube in kleinen Gruppen.

Sie zogen jubelnd und singend durch Dörfer und Städte. Und sie wurden durch die Zeugnisse des Holocaust oder Berichte aus kriegs- und armutsversehrten Ländern mit dem Elend konfrontiert, das allem Anschein nach zu dieser Welt gehört.

Der Weltjugendtag zeigt: Die Kirche ist jung, vital und präsent.

Der Weltjugendtag zeigt: Die Kirche ist jung, vital und präsent. Foto: kna-bild

Die Katholische Kirche setzt auf engagierte Jugendliche und Erwachsene aus der ganzen Welt.

Die Katholische Kirche setzt auf engagierte Jugendliche und Erwachsene aus der ganzen Welt. Foto: kna-bild

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Die Bilder der Menge bei den Gottesdiensten im Freien, die riesigen Bauten und das Aufgebot an Sicherheitskräften waren beeindruckend. Die Inszenierung beispielsweise der Schlussfeier machte deutlich: Diese Kirche setzt auf junge Menschen. Sie setzt auf Frauen und Männer, auf engagierte Jugendliche und Erwachsene aus der ganzen Welt.

Aber ein Weltjugendtag ist nicht nur Glaubensfeier. Verantwortliche aus Politik, Gesellschaft und Kirche wurden ebenso angesprochen und dürften an den Aussagen und Gesten des Papstes Freude – oder daran zu beissen haben. Das ist gut so.

Ein solcher Anlass darf, wie Glaube und Kirche überhaupt, nicht «Friede, Freude, Eierkuchen» sein. Dafür ist die Botschaft, die dieser Kirche zugrunde liegt, viel zu unbequem. Papst Franziskus – und mit ihm tausende Frauen und Männer, welche dieses Fest überhaupt erst ermöglicht hatten – rief die Teilnehmer in eindrücklicher Weise dazu auf, gefälligst vom Sofa aufzustehen und sich vor der eigenen Türe um grundlegende Dinge zu kümmern: Solidarität, Gewaltfreiheit, Zeichen gegen Hass setzen, sich für Flüchtlinge einsetzen.

Die meisten Teilnehmerinnen und Teilnehmer werden sich diesen Aufruf zu Herzen nehmen. Um «Vorreiter für ein Zusammenleben der Kulturen» zu sein, wie Papst Franziskus es ausgedrückt hat, brauchen sie Unterstützung.
Es liegt schliesslich nicht allein an den WJT-Teilnehmern, sich für eine gerechtere, friedlichere Welt einzusetzen. Das Fest mag vorüber sein. Die Arbeit geht nicht aus. Vom Sofa aufstehen müssen wohl nicht nur die jungen Leute.

Text: Martin Spilker, Leitender Redaktor kath.ch