Eine Frau der Tat

Nach zwölf Jahren als Seelsorgerats-Präsidentin ist für Albertina Kaufmann noch lange nicht Schluss mit ihrem christlichen Engagement.

In ihrer Pfarrei in Dielsdorf ist Albertina Kaufmann nicht nur seit der Syrienkrise für Flüchtlinge engagiert: seit 1998 betreut sie eine Familie aus dem Kosovo. Die Eltern leiden noch immer an den Folgen des Krieges. Der ältere Sohn hat nach langem, von Albertina Kaufmann unterstütztem Kampf den Schweizer Pass bekommen, der jüngere ist im Verfahren – beide wurden in der Schweiz geboren.
Seit jeher führte Albertina das Büro des Familiengeschäftes, zog vier Kinder gross und war bis zur Pensionierung 50 % im Katholischen Frauenbund als Co-Geschäftsleiterin aktiv, wo sie tandem, die Beratungsstelle für schwangere Frauen und Mütter in Not, mitbegründete.
In den letzten zwölf Jahren engagierte sie sich ehrenamtlich zwei Tage pro Woche als Präsidentin des Kantonalen Seelsorgerates, ein Gremium, das den Generalvikar berät, Tagungen organisiert, Pfarreiräte unterstützt und seelsorgerliche Themen bearbeitet.

Was ist ihre Motivation? «Mein Glaube bewegt mich zum Engagement. Ich bin nicht ein Mensch grosser Worte», sagt sie schlicht. Sie steht auf der Veranda des Hauses, das vor 40 Jahren nach ihren Skizzen gebaut wurde. Alte Bäume zeugen von der ehemaligen Baumschule, drei Feigenbäume tragen Früchte, der Haselnuss-Strauch überquillt, Rhabarber steht üppig, die Beeren sind reif.

Ein kleiner Clown spielt versunken Geige auf dem Bild hinter dem grossen Esstisch. Der Clown steht auf einer Seifenblase, die von zwei Händen gehalten wird, neben ihm eine Weltkugel. «In einer Zeit grosser Unsicherheiten hat mir dieses Bild vermittelt, dass ich behütet bin, selbst wenn ich auf unsicherem Boden stehe», erklärt Albertina Kaufmann.
«Ich darf vertrauen, dass es immer weitergeht. Es gibt viel Schlimmes auf der Welt, ich engagiere mich, aber muss nicht alles selber machen. Ich kann es Gott überlassen.» Deshalb könne sie am Abend alles gut ablegen. «Ich helfe nicht in der Meinung, die Menschen müssten sich verändern. Mein Vertrauen gibt mir Freiheit und Unabhängigkeit. Ich dränge mich nicht auf, aber wer nach Hilfe fragt, bekommt sie.»
Es sei wie beim Garten: «Man darf es regnen und wachsen lassen. Ich kann gestalten und pflegen, aber die Setzlinge wachsen allein.» Auch für die Zukunft der Kirche ist sie ruhig: «Es kommen neue Junge, sie machen es anders, aber auch gut.»

Text: Beatrix Ledergerber-Baumer