Kulturtipps

Wir empfehlen ein Buch zur franziskanischen Spiritualität, die Zeitschrift «Religion & Gesellschaft» zum Thema «Kirchen und Homosexualität», den Roman «Alles Licht, das wir nicht sehen» und den Kinofilm «Vor der Morgenröte» (Bild).

Buch

Mit der Schöpfung leben, sie bewahren und gestalten – für Franz von Assisi und für die geistig-spirituelle Bewegung, die er in Gang gesetzt hat, gehört dies wesentlich zu einem Leben in und mit Gott. Wenn Franziskus die Tiere, Pflanzen und selbst die Materie seine Schwestern und Brüder nennt, dann meint er es im wörtlichen Sinn: Als Kinder des einen Gottes haben alle Geschöpfe eine göttliche Wurzel und Würde und sind einander geschwisterlich verbunden. Welt ist, wie Papst Franziskus in seiner Umweltenzyklika «Laudato Si» ausführt, nicht nur Umwelt, sondern Mitwelt. Anton Rotzetter greift in seinem letzten Buch die Aussagen des Papstes auf und weist auf die Konsequenzen einer franziskanisch-ökologischen Spiritualität hin.

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«Alles auf den Kopf stellen – Wurzeln schlagen»
Anton Rotzetter. Echter Verlag 2016. 96 Seiten. Fr. 12.90. ISBN 978-3-429-03932-5

Zeitschrift

Kirchen und Homosexualität – ein Tabuthema, das erst langsam aufgebrochen wird. Das aktuelle Heft RGOW vermittelt einen Überblick zur kirchlichen Lehrentwicklung und dem Umgang mit Homosexuellen in der katholischen, der evangelischen und der orthodoxen Kirche. Der Zwiespalt, die Menschen zu achten, ihre sexuellen Orientierungen jedoch abzulehnen, kommt ebenso zur Sprache wie Segnungen von Paaren. Gesellschaftliche, juristische und kirchliche Hintergründe in den Ländern West- und vor allem auch Osteuropas werden sorgfältig dargestellt. Christliche Lesben und Schwule kommen zu Wort. Das Heft wurde von der katholischen Kirche im Kanton Zürich finanziell unterstützt.

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«Religion&Gesellschaft in Ost und West RGOW»
8/2016: Kirchen und Homosexualität. Fr. 10.–, www.g2w.eu

Buch

Zwei Jugendliche, die nichts miteinander gemein haben: Die erblindete Französin Marie-Laure und Werner, der Waisenjunge aus dem Ruhrgebiet. Und doch verschränkt der Krieg ihre beiden Lebensläufe. Jenen von Marie-Laure, die 1944 mit ihrem Vater aus Paris nach Saint-Malo flieht. Und jenen von Werner, der wegen seiner technischen Begabung bei einer Spezialeinheit der Wehrmacht landet.Was zu epischer Breite verführen könnte, wird bei Anthony Doerr zu einem sich immer weiter verdichtenden Reigen von sprachlich atemberaubend präzisen Miniaturen. Poetisch und nüchtern zugleich, erzählerisch zupackend und doch zurückhaltend, erschütternd, aber nicht melodramatisch.

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«Alles Licht, das wir nicht sehen»
Anthony Doerr. btb 2016. 528 Seiten. ISBN 978-3-442-74985-0. Auch als Hardcover und e-Book.

Kino

1934 verlässt Stefan Zweig seine österreichische Heimat, in der er als jüdischer Schriftsteller vor den Nazis nicht mehr sicher ist. In Brasilien, wo der gefeierte Autor in Ehren empfangen wird, werden die Gedanken an das Schicksal der Zurückgebliebenen und der Schmerz über den Verlust der Heimat zu seinen ständigen Begleitern. In sechs Episoden erzählt der Spielfilm von Stefan Zweigs Zeit im Exil, vom ersten Besuch in Buenos Aires 1936 bis zu seinem Suizid in Petrópolis 1942. Seine Zerrissenheit wird mit jeder Szene greifbarer: Dankbarkeit für das Leben in Sicherheit auf der einen, Trauer über das Verlorene auf der anderen Seite. Diese unerträgliche Spannung stimmt nachdenklich in einer Gegenwart, in der so viele Menschen auf der Flucht sind.

Laura Lots, Medientipp

«Vor der Morgenröte»
Deutschland/Frankreich/Österreich 2016. Regie: Maria Schrader. Mit Josef Hader, Barbara Sukowa, Aenne Schwarz … Seit 18. August im Arthouse Le Paris, Zürich.
www.arthouse.ch