Weltjugendtag im Rückblick

Tägliche Messen, eindrückliches Miteinander, Abertausende von Jugendlichen – der Weltjugendtag 2016 bewegt, verbindet und inspiriert! Zwei Wochen nach dem Massenevent in Polen tragen Rückkehrer die Erfahrungen in ihr Umfeld.

«Meine Erwartungen sind übertroffen worden! », sagt Oliva (20). Sie ist Anfang August von Krakau zurückgekehrt. Die Hochbauzeichnerin aus Uster fasst ihr Erlebnis in drei Worte: Lebendig – inspirierend – Freude! Dies bestätigt auch David (16) aus Dübendorf: «Das Gefühl, Teil von etwas Grossem zu sein, war überwältigend!» Mit der Pfarreigruppe St. Andreas aus Uster haben sich Oliva, David und Samira ins Abenteuer «Weltjugendtag» gestürzt – mit Erfolg. Alle drei sind bewegt und vollgepackt mit Highlights wieder zurückgekehrt.

David erzählt von einem Moment, in dem er sich auf einem riesigen Platz mitten in der Menschenmenge befand: «Der Platz war voller junger Menschen, die gemeinsam die Hymne des Weltjugendtages sangen. Das war gewaltig, ich war den Tränen nahe.» Der reformierte Kantonsschüler war durch einen guten Freund zur WJT-Gruppe aus Uster gestossen und meint dazu: «Ich beneide die Katholiken darum, dass sie es hinkriegen, so viele Jugendliche zu vereinen!»

Auch Samira (15) nimmt viel von dieser grossen Gemeinschaft mit: «Wir haben die ganze Zeit gesungen und wenn wir andere Schweizer gesehen haben, so haben wir gleich losgeschrien. Diese Lockerheit nehme ich mit.» Die angehende Köchin aus Uster möchte vermehrt auch nach dem Weltjugendtag Leute unbeschwerter ansprechen, auf fremde Menschen zugehen, mit ihnen ein Gespräch anfangen.

Aus ihren Erzählungen wird klar: Die Erfahrung einer starken Gemeinschaft von Gleichgesinnten prägt. Vor allem in der Kirche, wo Jugendliche heutzutage oft ohne Gspänli vor dem Altar sitzen, ist das Meer von fast zwei Millionen Jugendlichen, die gemeinsam die Messe feiern, aussergewöhnlich und ermutigend. Es bestärkt darin, im Glauben weiterzugehen und das ist wichtig. Denn die grosse Gemeinschaft ist schön und gut, doch unnütz, wenn sie nichts für danach bewirkt.

Deshalb stellt sich erst recht die Frage: Wie viel taugen kirchliche Grossveranstaltungen wie der Weltjugendtag für das alltägliche Leben mit Gott? Bleibt längerfristig etwas hängen? Denn der Weltjugendtag soll etwas bewirken, soll motivieren und auch danach noch präsent sein.

Dies scheint bei David so zu sein. Er möchte nun vermehrt an einem Flüchtlingstreff teilnehmen: «Der Weltjugendtag hat mich dafür sensibilisiert, wie viele Bedürftige es doch gibt und mich ermutigt, diesen Menschen zu helfen.»

Für Samira und Oliva bleiben die täglichen Gebete in Krakau eine treibende Kraft. «Wir haben am Abend viel gebetet und ich habe gemerkt, wie gut mir das tut», meint Samira, «es hilft mir dabei, zur Ruhe zu kommen und mein eigenes Verhalten zu reflektieren.» Sie will nun versuchen, vor dem Einschlafen wieder regelmässig zu beten.

Das Beten als ein «Runterkommen» und «im Moment verharren» ist auch Oliva sehr wichtig. Sie sieht es als eine Bereicherung, in der sie ihre Gedanken sortieren und zur Ruhe kommen kann. Ausserdem kann die 20-Jährige so ihren Frust und ihre Freude mit Gott teilen.

Durch das Beten, die Lieder, die Gespräche haben die Jugendlichen aus Uster Momente erlebt, welche sie beeindruckt haben. So Olivas Erfahrung, als sich ihre Gruppe auf eine zweitägige Pilgerreise begab. «Wir haben die erste Nacht unter freiem Himmel verbracht. Am Morgen bin ich mit dem frischen Tau und dem wunderschönen Sonnenaufgang aufgewacht und habe mich sehr verbunden gefühlt, mit allem. Es war eine sehr starke Erfahrung für mich.»

Auch David beschreibt, wie er Gott in der Gemeinschaft näher gekommen sei. Solche Momente der tiefen Verbundenheit mit Gott, der Schöpfung oder den anderen Teilnehmenden sind es, welche die Jugendlichen bewegen und motivieren. Oliva möchte nun wieder regelmässig in die Kirche gehen und dort für sich alleine beten. Und auch David möchte als angehender Theologiestudent aktiv in der Kirche tätig sein. Denn die Kirche beschreibt er als seine Heimat.

Gab es denn in Krakau auch schwierige Momente? David meint, die sprachliche Verständigung mit der Gastmutter sei etwas kompliziert gewesen. Lachend fügt er hinzu: «Sie konnte genau zwei Wörter auf Deutsch: Bitte essen!» — Da sie ihre Gäste überaus üppig bekochte, lässt sich leicht vorstellen, dass es nicht ganz einfach gewesen sein dürfte, sich gegen die Übersättigung zu wehren, ohne dabei unhöflich zu wirken.

Für David, Oliva und Samira steht nach den Erfahrungen in Krakau jetzt schon fest: Der nächste Weltjugendtag 2018 in Panamà kann kommen.

 

Luana Nava (20), die Autorin dieses Beitrags, ist Praktikantin beim forum. Sie hat 2015 für ihre Arbeit «Bis hier und nicht weiter! Weite und Enge des katholischen Glaubens» den Maturapreis der Universität Freiburg erhalten.

Text: Luana Nava

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Samira (15)

Foto: Christoph Wider/forum

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Oliva (20)

Foto: Christoph Wider/forum

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David (16)

Foto: Christoph Wider/forum

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«Viel Hoffnung»

Wie sieht ein langjähriger Teilnehmer die Weltjugendtage?

forum: Inwiefern war dieser WJT in Krakau anders als die vorherigen?
Frédéric Schubiger:
Im Witz hatte ich einmal ihn als denjenigen der Distanzen bezeichnet. Unsere Unterkunft lag 70 Kilometer von Krakau entfernt, was eine Zugfahrt von 2 Stunden bedeutete. Und der Weg zum Feld, wo das Abschlusswochenende stattfand, betrug für die meisten über 10 Kilometer.

Du hast schon an einigen WJTagen teilgenommen. Lebst du dadurch deinen Glauben anders/intensiver?
An Weltjugendtagen erhalte ich schon nur durch das Wort sehr vieles für meinen Glaubensweg. Eine gute Katechese, eine gute Predigt oder ein gutes Buch ermutigen mich und helfen mir immer wieder, meine Beziehung zu Gott zu vertiefen. Das bringt häufig mit sich, dass ich mich eingeladen fühle, ungewöhnliche Abzweigungen zu nehmen und gegen den Strom zu schwimmen – das fällt dann auch nicht immer leicht. Zu sehen, dass ich auf diesem Weg nicht alleine bin und andere ebenso aus der Beziehung zu Gott leben, gibt mir viel Hoffnung.

Kannst Du die Erfahrung, bei der Planung mitzuwirken, beschreiben?
Letzten Frühling durfte ich am nationalen Weltjugendtag einen Workshop gestalten, bei dem es um die Glaubensfreude ging. Er richtete sich an Teilnehmer, die noch nie an einem WJT teilgenommen hatten. Von den neugierigen Gesichtern, die gekommen waren, durfte ich lachende wieder verabschieden – welch Freude! Es ist mir ein grosses Anliegen, den Schatz des Glaubens niemandem vorzuenthalten. Wie jede Beziehung braucht jedoch auch die zu Gott Zeit und ich möchte schmackhaft machen, sich diese Zeit zu nehmen – der Gewinn ist gross!

Frederic Schubiger (24) studiert Verfahrenstechnik und war Speaker an den Deutschschweizer Weltjugendtagen in Brig, Basel und Fribourg.

Gespräch: Luana Nava