Mail aus Abu Dhabi

Martin Stewen (45) ist Priester der Diözese Chur und arbeitet seit 2015 im Apostolischen Vikariat in Abu Dhabi. Dieses Mal zum Thema «Ökumene»…

Ökumene in Zürich, das ist mehr als hin und wieder mal ein Treffen der Pfarrer verschiedener Konfessionen. Ökumene in Zürich bedeutet: Die Konfessionen leben miteinander, man kennt sich, steht sich nahe.

Und in Arabien? Es gibt neben den Katholiken zahlreiche andere christliche Konfessionen. In direkter Nachbarschaft der Kathedrale in Abu Dhabi etwa findet sich die Kirche der Kopten, die anglikanische Kirche und die Evangelical Church. Man kennt und tauscht sich wohl auch aus auf der Leitungsebene. Ein freundlicher Gruss zu Ostern oder Weihnachten. Aber mehr nicht. Neben traditioneller Konfessionalität spielt dabei sicher auch die Politik der verschiedenen Kirchen eine Rolle. Wenn es mit den Nachbar-Konfessionen nicht so recht klappt, wie steht es dann mit den Nachbar-Religionen? Nun, auch hier ist der Kontakt eher distanziert. Was nicht zuletzt auch oft an Sprachproblemen liegt. Und an der Angst der nicht-islamischen Religionen, der Missionierung bezichtigt zu werden – was hierzulande strafbar ist.

Aber Ansätze von Kontakten gibt es doch. Kürzlich konnte ich als ein Vertreter des Bischofshauses in Abu Dhabi an einem interreligiösen Gespräch teilnehmen. Dazu hatte der Religionsberater des Präsidenten der Emirate in sein Privathaus eingeladen. Anwesend waren Vertreter des Christentums und der Sikh-Religion, aber auch Diplomaten christlicher Länder. Der Dialog war von einer Atmosphäre des grossen gegenseitigen Respekts, gegenseitiger Wertschätzung getragen. Zu Zeiten, in denen an so vielen Orten auf der Erde die Menschen unter Missbrauch von Religion das Leben bedrohen, ein wahrlich hoffnungsvoller Moment.

Text: Martin Stewen