Unter eigener Flagge segeln

Mit Leidenschaft und Fachwissen bieten Bernd und Julieta Strobel ihrer Kundschaft ein anspruchsvolles Sortiment an religiöser Literatur und Devotionalien.

Montagmorgen an der Weinbergstrasse in Zürich: Ins Grau des Wintertages leuchten die Schaufenster der Buchhandlung Strobel. Den zweistöckigen Ladenraum säumen schlichte weisse Regale. Buch reiht sich an Buch, aufgelockert durch Engel, Kerzen, Krippen, Ikonen und Weihrauch. Eine Kundin schmökert durch die Literatur auf dem Büchertisch, eine zweite fragt nach Geschenkgutscheinen. Der Montag sei der ruhigste Tag der Woche, erklärt Geschäftsinhaber Bernd Strobel. Die Buchhandlung geschlossen zu lassen, ist trotzdem keine Option. Am Montag haben die Pfarrer ihren freien Tag – und auf die Stammkundschaft wird Rücksicht genommen.

«Wir sind eine der ältesten und traditionsreichsten theologischen Fachbuchhandlungen der Schweiz – und stolz darauf», sagt Bernd Strobel, gelernter Buchhändler aus Passion. Er kenne praktisch jedes Buch im Laden, schmunzelt seine Frau Julieta. Die Architektin und Journalistin aus Barcelona fand über ihren Mann zum religiösen Buch und ist nun für die Devotionalien zuständig. «Wir bieten alles, was gläubige und praktizierende Katholiken brauchen, um ihren Glauben greifen zu können», erklärt sie. «Wichtig sind Kreuze, Kerzen, Rosenkränze, aber auch religiöse Kunst. Ich achte auf gute Qualität, modernes Design und einen vernünftigen Preis. Und ich setze auf einheimisches Handwerk und die Zusammenarbeit mit einer Behindertenwerkstatt.»

Bernd und Julieta Strobel führen im Herzen Zürichs eine der ältesten auf theologische Literatur spezialisierte Buchhandlung der Schweiz.

Bernd und Julieta Strobel führen im Herzen Zürichs eine der ältesten auf theologische Literatur spezialisierte Buchhandlung der Schweiz. Foto: Christoph Wider

Aus «von Matt» wird «Strobel»: Seit einigen Wochen trägt die traditionsreiche Buchhandlung an der Weinbergstrasse ihren Namen.

Aus «von Matt» wird «Strobel»: Seit einigen Wochen trägt die traditionsreiche Buchhandlung an der Weinbergstrasse ihren Namen. Foto: Christoph Wider

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Als das Ehepaar Strobel die Buchhandlung im Juli 2008 erwarb, blickte das Geschäft auf eine 100-jährige Geschichte zurück: 1909 gründete der Thurgauer Jakob Herzog am Fusse der Liebfrauenkirche die Buchhandlung mit religiösem Sortiment. 1957 übernahm sie Hansjakob von Matt und prägte über vier Jahrzehnte deren ausgezeichneten Ruf. Zwischen 2003 und 2008 führte Markus Zimmer den Betrieb.

«Seine Geschäftsaufgabe war unsere Chance», erklären Bernd und Julieta Strobel unisono. «Zürich war schon immer eine unserer Lieblingsstädte, eigenständig eine theologische Buchhandlung zu führen, war unser Ziel.»

Ein religiös-spirituelles Sortiment finde auch heute noch seine Käuferschaft, erklärt Bernd Strobel. «Da ist zum einen das Fachpublikum aus den Pfarreien oder von kirchlichen Institutionen, die Literatur oder Devotionalien für ihre Arbeit brauchen, und zum anderen sind es Privatpersonen, die spirituell und theologisch interessiert sind und bei uns entsprechende Sachbücher suchen. Wer zu uns kommt, weiss, was ihn erwartet. Wir nehmen uns Zeit für Gespräche mit unseren Kundinnen und Kunden, die wir meist seit Jahren kennen.»

Rund 90 Prozent des Sortiments besteht aus christlicher Theologie und Spiritualität. Für Kinder findet sich eine grosse Auswahl an altersgerechten Bibeln sowie religiösen Bilder- und Sachbüchern. Daneben gibt es eine kleine, aber feine Belletristikabteilung. Da stehen Klassiker neben Krimis. «Wir empfehlen, was uns am Herzen liegt», sagt Bernd Strobel. «Schliesslich ist die Aufgabe jedes Buchhändlers, sich für Bücher einzusetzen, die er für wichtig hält, und nicht lediglich jene zu verkaufen, die sowieso nachgefragt werden.»

Zur Theologie hat das Ehepaar Strobel autodidaktisch gefunden. Am Anfang stand die religiöse Abteilung beim Herder-Verlag, für deren Vermarktung in Spanien und Lateinamerika Bernd Strobel zuständig war; es folgten Klosterbuchhandlungen für eine Benediktinerabtei und die Steyler Missionare in Deutschland. «Wir wuchsen in dieses Gebiet hinein», erklärt Julieta Strobel, die als Spanierin tief katholisch sozialisiert ist. «Mit der Liebe zum Thema vertieft sich auch der Glaube.» Führten die beiden die Buchhandlung anfangs noch unter dem Namen «von Matt», änderten sie ihn letzten Herbst zu Strobel.

«Wir wollten unter eigener Flagge segeln – zeigen, wer wir sind und dass wir bleiben.»

Dass neben der Sechs-Tage-Woche in der Buchhandlung kaum Freizeit bleibt, belastet das Ehepaar nicht. Der Sonntag gehört der Kunst, Ausritten hoch zu Ross oder den vier erwachsenen Kindern. «Wir sind dankbar, dieses Leben führen zu können», sagt Bernd Strobel. Dann muss er sich um seine Kundschaft kümmern. Es ist vorbei mit der Ruhe. Pfarrersonntag eben.

Text: Pia Stadler

Was uns wichtig ist:
«Ohne Liebe ist alles nichts»
Nach dem 1. Korintherbrief des Apostels Paulus

Buchtipp von Bernd Strobel:
Hubertus Halbfas: Das Christenhaus Patmos 2015

Devotionalientipp von Julieta Strobel:
Madonnenstatuen aus Holz