Zu Fuss nach Rom

Mann und Frau sollen in der katholischen Kirche gleichberechtigt sein. Dieses Anliegen trägt eine Pilgergruppe im Frühling zu Papst Franziskus nach Rom. Lea Stocker zum Projekt «Für eine Kirche mit* den Frauen».

Lea Stocker, warum engagieren Sie sich bei «Kirche mit den Frauen»?
Lea Stocker:
In der katholischen Kirche gibt es ein Gefälle zwischen den Geschlechtern: Männer haben das Sagen. Das ist in unseren Breitengraden nicht mehr glaubwürdig und entspricht in unserem Verständnis nicht dem Geist von Christus. Es ist unser Anliegen, dass sich Männer und Frauen in der Kirche als ebenbürtige Geschwister begegnen.

In welcher Form wollen Sie Papst Franziskus diese Anliegen überbringen?
Unsere Gruppe läuft am 2. Mai in St. Gallen los. Am 2. Juli planen wir den Abschluss in Rom als Pilgertag, an welchem zum Beispiel die Bischöfe aus den Bistümern St. Gallen und Basel teilnehmen werden. Wir träumen davon, dass Tausende mit uns auf dem Petersplatz für dieses Anliegen einstehen – als Zeichen, wie ernst das Thema zu nehmen ist! Wir haben Papst Franziskus brieflich von unserem Wunsch geschrieben, mit ihm Eucharistie zu feiern oder eine Audienz zu bekommen.

Ihr Anliegen ist nicht neu. Was ist das Einzigartige an Ihrem Projekt?
Dass wir den Fokus auf den Dialog auf Augenhöhe und die Geschwisterlichkeit zwischen den Geschlechtern richten. Und dass wir nicht primär eine fordernde, politische Haltung, sondern eine Gebetshaltung einnehmen, wir zeigen uns verletzlich und ohnmächtig. Das ist auch eine Form der Nachfolge Jesu.

Welche Resonanz hat das Projekt bisher erfahren?
Wir werden von etlichen kirchlichen Organisationen ideell oder im Gebet unterstützt. Der Schweizerische Katholische Frauenbund, mehrere Bistümer, viele Klöster, der Verein Tagsatzung und die Schweizer Jesuiten sind nur einige davon. Alle sind auf unserer Homepage aufgelistet. Dort schreibt seit Mai auch jede Woche eine Persönlichkeit aus den deutschsprachigen Kirchen einen geistlichen Impuls.
Wir freuen uns über weitere Formen des Mittragens, so werden Anlässe in St. Galler Pfarreien zum Thema gestaltet, und einzelne Menschen oder Gruppen werden eigene oder gemeinsame Strecken während des Projektes pilgern. Etliche Reisen werden dazu organisiert.

Wie viele Kilometer läuft Ihre Gruppe?
Etwa 1000 Kilometer. Wir starten am 2. Mai in St. Gallen. Die ersten acht Tage kann man uns begleiten, bis nach Zillis GR. Von dort aus gehen wir als kleine Pilgergruppe weiter über die Alpen. Von Siena bis Rom kann man in verschiedenen Etappen wieder mitlaufen.

Wie kommen Sie als Ärztin dazu, bei einem solch religiösen Projekt mitzumachen?
Als weltoffene Christin ringe ich oft damit, dass unsere Kirche den Menschen den Zugang zu Gott eher erschwert als erleichtert, ich schäme mich dafür. Dabei hätte die Kirche so viel zu geben, wenn sie sich auf ihr Wesentliches besinnen würde. Ich möchte lieber etwas ändern als austreten.

Text: forum/kath.ch

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Lea Stocker (36) ist Assistenzärztin am Universitätsportal Zürich und gehört zum Kernteam des Projektes «Für eine Kirche mit* den Frauen».

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«Für eine Kirche mit den Frauen, für Gleichheit im Glauben und im Tun.»

Dieses Anliegen wollen die Pastoralassistentinnen Esther Rüthemann und Hildegard Aepli, die Ärztin Lea Stocker und der Theologieprofessor Franz Mali dem Papst persönlich überbringen. Dafür werden drei von ihnen vom 2. Mai bis 2. Juli 2016 von St. Gallen nach Rom pilgern. Es besteht die Möglichkeit, einzelne Etappen mitzupilgern, ausserdem hoffen die Initianten auf eine grosse Präsenz von Menschen, die ihr Anliegen teilen, bei ihrer Ankunft auf dem Petersplatz in Rom.