50 Jahre Paulus Akademie

Dort gefragt, wo gefragt wird: Die Paulus Akademie wird 50 Jahre alt. Wir haben mit den Bereichsleiterinnen und -leitern Orte in Zürich aufgesucht, an denen brennende Fragen unserer Gesellschaft sichtbar werden.

«Wenn wir Menschen mit Beeinträchtigungen als Quelle möglicher kultureller Bereicherung wertschätzen, kommen wir der Vision von Inklusion sehr nahe.»

«Wenn wir Menschen mit Beeinträchtigungen als Quelle möglicher kultureller Bereicherung wertschätzen, kommen wir der Vision von Inklusion sehr nahe.» Foto: Foto: Christoph Wider/forum

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mit Beatrice Brülhart im Hunziker Areal

«Wir können erst dann von einem Prozess hin zu einer inklusiven Gesellschaft sprechen, wenn es einer Gesellschaft gelingt, nicht nur alles dafür zu tun, um Menschen mit Beeinträchtigungen die gleichberechtigte Teilhabe am Leben zu ermöglichen, sondern Beeinträchtigungen als möglichen und ‹normalen› Bestandteil eines Lebens und menschlicher Gesellschaft anzuerkennen. Wenn wir darüber hinaus Menschen mit Beeinträchtigungen als Quelle möglicher kultureller Bereicherung wertschätzen, kommen wir der Vision von Inklusion sehr nahe. Im Fachbereich «Gesellschaft und Behinderung» geht es darum, die Frage danach zu stellen, wie weit die Schweiz mit ihren Integrations- und Inklusionsangeboten in diesem Prozess ist. Führen neue innovative Wohnangebote für Menschen mit speziellen Wohnbedürfnissen wie hier im Hunziker-Areal tatsächlich zu gelungener Inklusion? Wie verändern sich die Wahrnehmung und das Zusammenleben in einer Gesellschaft, wenn Inklusion stattfindet?»

Beatrice Brülhart, MSc Bereichsleiterin «Gesellschaft und Behinderung»

«Die theologische (Wirtschafts-)Ethik sollte nicht den Eindruck der moralischen Verbissenheit erwecken.»

«Die theologische (Wirtschafts-)Ethik sollte nicht den Eindruck der moralischen Verbissenheit erwecken.» Foto: Foto: Christoph Wider/forum

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mit Stephan Wirz in Sihlcity

«Einkaufszentren wie Sihlcity sind nicht nur eine Aneinanderreihung von Läden zum Shoppen. Sie werden als urbane Orte der Begegnung mit einer Vielzahl an kulturellen, sportlichen und spielerischen Möglichkeiten konzipiert. Weckt diese ‹Architektur des Konsums› nicht falsches Begehren? So wichtig das Nachdenken über einen human angemessenen Lebensstil, über eine an den Menschenrechten orientierte Güterproduktion ist, so sollte die theologische (Wirtschafts-)Ethik doch nicht den Eindruck der moralischen Verbissenheit erwecken. Die Wirtschaft, also Erfinden, Herstellen und Konsumieren, sind wichtige Bestandteile unserer Kultur, Ausdruck menschlicher Kreativität, Schaffenskraft und Lebensfreude und damit prägend für unsere individuelle Identität. Der Bereich Wirtschaft und Arbeit versucht diese Spannweite unter Einbeziehung der christlichen Soziallehre in seinem Programm abzubilden, durch Themen wie Führungsethos, neue Arbeitsformen, Vereinbarkeit von Beruf und Pflege, urbaner Lebensstil oder unternehmerisches Flair.»

Dr. Stephan Wirz Bereichsleiter «Wirtschaft und Arbeit»

«Hier vor dem Zürcher Obergericht wird mir bewusst, welche enorme Verantwortung unsere Justiz hat.»

«Hier vor dem Zürcher Obergericht wird mir bewusst, welche enorme Verantwortung unsere Justiz hat.» Foto: Christoph Wider/forum

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mit Hans-Peter von Däniken beim Obergericht

«Die meisten kennen Gerichte nur von aussen. Aber was in den Gerichten vorgeht, sollte die Öffentlichkeit auch interessieren. Schliesslich ist unsere Justiz einer der wichtigsten Garanten für den Zusammenhalt unserer Gesellschaft. Daher befasst sich die Paulus Akademie seit Jahren mit strafrechtlichen Fragen. Jeden Herbst versammeln sich Fachleute zu einer Tagung über wichtige aktuelle Themen. Dieses Jahr diskutierten über hundert Personen, ob die Behandlung von mutmasslichen Straftätern während der Untersuchungshaft korrekt verläuft. Dabei ging es nicht zuletzt um ethische Fragen: Ist beispielsweise eine monatelange Internierung eines noch nicht verurteilten Verhafteten angemessen? Hier vor dem Zürcher Obergericht wird mir als Fachbereichsleiter «Soziales, Politik und Kultur» bewusst, welche enorme Verantwortung unsere Justiz hat, um Gerechtigkeit, Menschenwürde und Menschenrechte zu garantieren.

Hans-Peter von Däniken, Direktor Paulus Akademie Bereichsleiter «Soziales, Politik und Kultur»

«Im Angesicht des Todes stellen sich nochmals die grossen Fragen.»

«Im Angesicht des Todes stellen sich nochmals die grossen Fragen.» Foto: Foto: Christoph Wider/zvg

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mit Susanne Brauer auf dem Friedhof Sihlfeld

«Schwere Themen setzen die Akzente in meinem Fachbereich ‹Bioethik, Medizin und Life-Sciences›. Sterben und Tod gehören dazu und weisen auf etwas Urmenschliches hin. Denn keinem ist die Vergänglichkeit und Endlichkeit des hiesigen Lebens so bewusst wie Sterbenden. Im Angesicht des Todes stellen sich nochmals die grossen Fragen: nach dem Sinn, den das eigene Leben hat oder den man sich gewünscht hätte; nach den Begebenheiten, für die man dankbar ist oder die verpasst zu haben man bereut. In der griechischen Mythologie gibt es die Figur Kairos, die uns mit wehender Haarlocke in der Stirn und beflügelten Schuhen daran erinnert, dass wir den günstigen Augenblick für Entscheidungen in unserem Leben nicht verpassen, die Gelegenheit beim Schopfe packen sollten. Denn Kairos läuft unaufhaltsam an uns vorbei, sein Hinterkopf ist kahl – ist der richtige Moment vorbeigezogen, gibt es keine Möglichkeit mehr, ihn noch von hinten zu ergreifen. Man könnte darin einen Ursprung für die Notwendigkeit von Ethik sehen: darüber nachzudenken, was der Mensch tun soll und worin ein gutes Leben bestehen könnte.»

Susanne Brauer, PhD Bereichsleiterin «Bioethik, Medizin und Life-Sciences»

«Die Suchbewegungen von Theater und Religion gehen in ähnliche Richtungen, insofern beide Tabubrecher sind.»

«Die Suchbewegungen von Theater und Religion gehen in ähnliche Richtungen, insofern beide Tabubrecher sind.» Foto: Christoph Wider/forum

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mit Béatrice Acklin-Zimmermann im Schauspielhaus

«Theater und Oper sind nicht nur Orte überschäumenden Lebens, sondern sie sind immer auch Orte, an denen die Frage nach Gott gestellt wird», sagte mir einmal Ulrich Khuon, Intendant des Deutschen Theaters Berlin. In all den Dramen und Tragödien, die sich auf den Brettern abspielen, die die Welt bedeuten, zeigt sich eine besondere Sensibilität des Theaters für Liebe und Tod, Schuld und Vergebung, Verzweiflung und Hoffnung. Für die «Essentials» des Lebens also, an denen sich auch die Religion abarbeitet. Die Suchbewegungen von Theater und Religion gehen in ähnliche Richtungen, insofern beide Tabubrecher sind und die Fähigkeit haben, Empathie zu bewirken. Nicht nur, dass der Kirche eine hohe Inszenierungsqualität nachgesagt wird. Auch als Orte der Reflexion von Lebensfragen können Theater und Religion vielfältig voneinander lernen. Indem es zu den Leidenschaften des Theaters gehört, den Menschen jene verschütteten Dimensionen des Lebens wieder zu erschliessen, in denen auch die Gottesfrage ihren Platz hat, berührt das Theater nicht nur das Kerngeschäft der Religion, sondern vermag selber Türen zu öffnen für die Erfahrung der Transzendenz.»

Dr. Béatrice Acklin Zimmermann Bereichsleiterin «Religion, Theologie und Philosophie»

Text: Redaktion forum

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50 Jahre Paulus Akademie

Die Paulus Akademie ist ein Forum für Religion, Ethik, Gesellschaft und Politik. Ihr Angebot soll ein breites Publikum ansprechen, unabhängig von der konfessionellen oder weltanschaulichen Position. Einzelne Anlässe richten sich an ein Fachpublikum.

Seit 1998 wird die Akademie von einer Stiftung getragen. Deren Zweck ist der Betrieb der katholischen Paulus Akademie mit der Aufgabe, den Dialog zwischen Glauben und Welt zu fördern und christliche Hoffnungs- und Handlungsperspektiven in den gesellschaft lichen Prozess einzubringen. Stifter sind der Verein Paulus Akademie, die Röm.-kath. Körperschaft des Kantons Zürich, das Generalvikariat sowie der Verband der Röm.-kath. Kirchgemeinden der Stadt Zürich.

Foto: Eva Lipp-Zimmermann/zvg