Männer-Spiritualität in der Predigerkirche

Im «salon theophil» der Predigerkirche können Männer die eigene Spiritualität entdecken.

«Männer im Zürcher Niederdorf: Das ist lautstark und feuchtfröhlich.» Der katholische Seelsorger Meinrad Furrer erlebt entgegen diesem Vorurteil ganz etwas anderes: «An der Morgenmeditation in der Predigerkirche – jeden Donnerstag von 7 bis 7.45 Uhr – nehmen überdurchschnittlich viele Männer teil.» Furrer gestaltet hier seit 2014 Liturgien, ist für die Erwachsenenbildung zuständig und entwickelt spezielle Projekte für die Seelsorge im Niederdorf.

Der «salon theophil» ist eines dieser Projekte und findet einmal im Monat im Haus Palmbaum statt. Furrer bietet hier Raum, um «durch gesellschaftliche Prägungen, geistliche Traditionen und eigene Erfahrungen hindurch einen Weg zu finden, im Alltag die eigene Spiritualität und Achtsamkeit als Mann zu vertiefen und zu reflektieren». Sieben Männer sind an diesem Mittwochabend im Haus zum Palmbaum. Die anwesenden Banker, Lehrer, Heiler oder Manager entsprechen äusserlich durchaus dem Bild, das ihr jeweiliges Arbeitsumfeld ihnen gibt, man könnte fast schreiben: ihnen auferlegt. Im Gespräch wird jedoch deutlich, was Furrer mit seinem Angebot erreichen möchte. Sie alle wollen als Person wahrgenommen werden und nicht unbedingt dem vorgeprägten Bild entsprechen. Gleichzeitig möchten sie herausfinden, welches Bild von ihnen wahrgenommen werden soll.

Das Treffen beginnt mit einem Moment der Stille. Es folgt ein Impuls, der Stoff für die anschliessende Gesprächsrunde liefert. Diese Gespräche können ganz unterschiedlich ablaufen, meint Furrer: «Die einen wollen lieber etwas erforschen, andere eher Befindlichkeiten debattieren. Beides ist für mich ok.» Da es seiner Ansicht nach kein Pendant zur feministischen Bewegung gibt, ist es heutzutage wichtig, nach der Rolle des Mannes zu fragen: «Männer kommen mir gesamtgesellschaftlich gesehen oft ratlos vor, wie ein Hase vor dem Fuchsbau, der nicht weiss, wie reagieren. Die Entwicklung des Feminismus ist natürlich unglaublich wichtig gewesen. Aber was heisst es für das Mann-Sein? Dies ist mein wichtigstes Anliegen: Männerbilder entwickeln und stärken.»

Text: Oliver Sittel

Angebot laufend

salon theophil

mittwochs, 28.9., 26.10., 23.11., 14.12.

maenner-spirit
Mo/Di 14. / 15.11.

www.predigerkirche.ch/haus-zum-palmbaum