Und die Tiere?

Wir brauchen eine neue Tierethik. Dringend. Das forderten Eugen Drewermann und Bernd Schildger bei einer Veranstaltung der Paulus Akademie in Knies Kinderzoo in Rapperswil.

Die Sonne setzt sich über dem Zürichsee an diesem hochsommerlichen 13. September, als Eugen Drewermann in der Himmapan Lodge erklärt: «Auch heute wurden wieder 150 Tier- und Pflanzenarten ausgerottet.» Ausgerottet durch die Spezies Mensch mit ihrem ungehemmten Bevölkerungswachstum und einem Kapitalismus, der zwecks Profitmaximierung möglichst billig auf die Ressourcen der Natur zugreift.

Grundlage für dieses Herrschaftsgebaren ortet der Theologe und Psychoanalytiker in der Bibel: «Der christlichen Theologie kommt das Verdienst zu, den Menschen aufgrund seiner Unsterblichkeit enorm aufgewertet zu haben. Dadurch wurde die übrige Schöpfung so abgewertet, dass jede Ausbeutung und Grausamkeit möglich und rechtens werden konnte.» Wer jedoch die Gefühle für die Tiere ausschalte, habe sie auch für den Menschen nicht verfügbar. «Solange es Schlachthöfe gibt, wird es auch Schlachtfelder geben. Was wir den Tieren zumuten, fällt auf uns zurück.»

Bernd Schildger, Direktor des Tierparks Dählhölzli in Bern, mag unser zerstörerisches Umweltgebaren keiner Glaubensrichtung zuordnen. «Der moderne Mensch, der sich in seinen Eroberungsfeldzügen über den ganzen Erdball die Erde untertan gemacht hat, ist der Grund allen Übels.» Noch ist nicht alles verloren. Es lohne sich, für das Gute zu kämpfen. Denn: «Auch wenn der Mensch als einziges Lebewesen dabei ist, die Erde zu vernichten, so ist er auch das einzige, das sie retten könnte.»

Umdenken kann Überdenken unserer fleischlastigen Ernährung heissen, aber auch artgerechte Tierhaltung. «Wir müssen von den Bedürfnissen der Tiere auf den nötigen Umgang mit ihnen schliessen. Ein Elefant soll wie ein Elefant gehalten werden und nicht wie ein rüsseltragender Mensch», so Schildger. Und: Es gibt auch Fortschritte in Sachen Tierschutz, die Würde der Tiere ist in der Schweiz gesetzlich verankert.

Temperamentvoll durch den Abend, der von der Paulus Akademie Zürich in Kooperation mit Knies Kinderzoo organisiert wurde, führt Studienleiterin Béatrice Acklin Zimmermann.
Es ist längst dunkel, als sich die 70 Teilnehmenden auf den Heimweg machen. Die Tiere haben sich im parkähnlichen Gelände zur Nachtruhe zurückgezogen. Sie haben Glück: Knies Kinderzoo hat die artgerechte Tierhaltung vorbildhaft umgesetzt.

Text: Pia Stadler