Kulturtipps

Wir empfehlen den Kinofilm «La pazza gioa» (Bild), die Ausstellung «Mit dem Tod leben», den Interreligiösen Kalender 2017, sowie die Bücher «Biblisch glauben» und «Spurensuche».

Kino

Beatrice ist affektiert, ungehalten, entstammt der High Society und redet ohne Punkt und Komma. Donatella hüllt sich in düsteres Schweigen und einen schwarzen Kapuzenpulli. In einer Einrichtung für psychisch kranke Frauen in der Toskana treffen die beiden aufeinander. Eher unverhofft als beabsichtigt nehmen die beiden Reissaus und ein wahnwitziger Roadtrip beginnt. Auf dem schmalen Grat zwischen Drama und Komödie erzählt der italienische Regisseur Paolo Virzì von einer ungewöhnlichen Frauenfreundschaft. Valeria Bruno Tedeschi spielt die bipolare Diva Beatrice voller Leidenschaft. Messerscharf schiesst sie verbal gegen die italienische Justiz, Politik und Korruption und gibt dem Film damit einen erfrischenden kritischen Unterton.

Laura Lots, medientipp 

«La pazza gioia» Italien/Frankreich 2016, Regie: Paolo Virzì; Besetzung: Micaela Ramazzotti, Valeria Bruni Tedeschi… Verleih: Filmcoopi. Ab 3. Oktober im Kino (Ort und Zeiten unter www.arthouse.ch)

Ausstellung

Ein Blick auf das Gesicht eines Sterbenden, ein Blick auf das Gesicht eines Verstorbenen löst etwas in uns aus. «palliative zh+sh» und die Zürcher Kirchen laden zur aktiven Auseinandersetzung mit der Endlichkeit des Lebens ein, zum Nachdenken über die Bedingungen für ein erfülltes Leben, über Wünsche und Bedürfnisse am Lebensende. Die Ausstellung «Noch mal leben vor dem Tod» wird während sechs Wochen im Oktober und November 2016 in der Limmat Hall gezeigt. Zu sehen sind grossformatige Schwarz-Weiss-Bilder von Menschen vor und nach ihrem Tod.
Der Fotograf Walter Schels und die Journalistin Beate Lakotta haben unheilbar kranke Männer, Frauen und Kinder gebeten, sie in den letzten Tagen und Wochen ihres Lebens begleiten zu dürfen. Aufgrund dieser Begegnungen entstanden einfühlsame Porträts von Menschen, die dem Tod ins Auge sehen. Die Bilder wurden kurze Zeit vor und unmittelbar nach dem Sterben dieser Menschen aufgenommen. In Begleittexten kommen die Sterbenden noch einmal zu Wort, indem sie dem Betrachter Einblicke in ihre persönliche Lebensgeschichte geben. Verschiedene Veranstaltungen, Buchpräsentationen und Lesungen laden dazu ein, sich mit den Themen Abschiedskultur sowie Sterben und Tod zu befassen.

pd

«Noch mal leben vor dem Tod»
Eine Ausstellung über das Sterben 8. Oktober bis 18. November 2016
Fotos von Walter Schels und Texte von Beate Lakotta.

Limmat Hall Zürich
Hardturmstr. 122
www.noch-mal-leben-zuerich.ch

Buch

Der ehemalige Winterthurer Pfarrer Albert Mantel zeichnet den grossen Glaubensbogen vom Ersten Testament bis zur Apokalypse des Johannes. In verständlicher Sprache geht er nicht nur auf biblische Grundlagen ein, sondern ebenso auf den Weg der Kirche und die Sakramente. Entstanden ist das Werk aus Vortragsreihen und anschliessenden Gesprächen mit Gemeindemitgliedern. Mantel geht auf Fragen und Zweifel ein, begründet die kirchliche Tradition biblisch und bringt dort Kritik an, wo diese Begründung fehlt – immer im Rückgriff auf das letzte Konzil. Das Buch erweitert biblisches Wissen und führt zu einem Glauben, der zeitgemäss ist und innere Gelassenheit schenkt.

bl

«Biblisch glauben» Albert Mantel. Edition NZN bei TVZ 2015. 350 Seiten. Fr. 38.–. ISBN 978-3-290-20109-8.

Kalender

Die farbenprächtigen Bilder des Interreligiösen Kalenders 2017 zeigen sakrale Objekte aus verschiedensten Religionen: Altare, Kerzen, Musikinstrumente, Kelche und Weihrauchgefässe: wunderschön gestaltete Objekte, die in mehreren Religionen vorkommen. Das den Kalender ergänzende A4-Dossier zeigt auf, wie Gegenstände zu Brücken zwischen Sicht­barem und Unsichtbarem werden. Die Feste der Religionen sind – mit kurzen Infos – am entsprechenden Tag zu finden, ein spezieller Webzugang öffnet weiteres Hintergrundmaterial. Ein Muss für alle am Interreligiösen Dialog interessierten!

pd

«Sakrale Objekte» Interreligiöser Kalender 2017. Fr. 19.–, Interreligiöse ­Arbeitsgemeinschaft Schweiz, kalender@editions-agora.ch, www.iras-cotis.ch

Buch

«Ich möchte wissen, was war. Ich möchte wissen, wie alles gekommen ist und wie ich die wurde, die ich bin.» Lesend, schreibend und erinnernd hat sich die heute 76-jährige Autorin und Publizistin Klara Obermüller auf Spurensuche im eigenen Leben begeben. In zwölf Kapiteln geht sie zurück in der Zeit und beleuchtet wegweisende Momente: Kindheit und Jugend, Glück und existentielle Erschütterungen, erste und letzte Lieben, die Karriere als Journalistin, Alter und Tod. Es entfaltet sich ein reiches Leben, das bis heute geprägt ist von Neugier und innerer Unruhe. Jedem Text vorangestellt ist ein eindrückliches Foto, das allein schon eine ganze Geschichte erzählt. Ein bewegendes Buch.

ps

«Spurensuche» Klara Obermüller. Xanthippe Verlag 2016. 206 Seiten. Fr. 35.90. ISBN 978-3-905795-42-4.