Gänsehaut beim Singen

Der Chor der Nationen Zürich vereint Menschen aus aller Welt zu einem gemeinsamen musikalischen Projekt, das integriert und begeistert.

Dirigent Bernhard Furchner spielt am Klavier eine Melodie. Die Sängerinnen und Sänger bewegen sich im Saal der katholischen Pfarrei St. Felix und Regula. Sie summen, finden sich in Gruppen und singen «Ah». Da und dort geht ein Lächeln vom einen zum anderen. «Das ist der Anfang des Konzerts, der Beginn des ‹Frühlingsrufs›», sagt Furchner und erklärt: Vorne sei das Orchester, da spiele die Flöte. «Wenn die fertig ist, kommt ihr in euren Kostümen auf die Bühne und singt.» Nach Lockerungs- und Artikulationsübungen folgt ein «Shalom»-Kanon von vier Seiten.

60 Menschen aus 20 Nationen proben für das bevorstehende Jahreskonzert.

60 Menschen aus 20 Nationen proben für das bevorstehende Jahreskonzert. Foto: Oliver Sittel

«Wenn wir auf der Bühne singen, kriegen wir Gänsehaut» sagt Zarina Tadjibaeva aus Tadschikistan.

«Wenn wir auf der Bühne singen, kriegen wir Gänsehaut» sagt Zarina Tadjibaeva aus Tadschikistan. Foto: Oliver Sittel

Bernhard Furchner startete das Projekt «Chor der Nationen» 2006.

Bernhard Furchner startete das Projekt «Chor der Nationen» 2006. Foto: Oliver Sittel

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Eine gewöhnliche Chorprobe? Ja und nein. Musikalisch kann sich der Chor der Nationen durch- aus mit anderen Chören messen. Sozial aber steckt eine Vision dahinter. Rund 60 Menschen aus 20 Nationen singen Lieder aus aller Welt. Diese oft nur mündlich überlieferten Weisen arrangiert Furchner, der das Projekt 2006 in Solothurn startete. Heute gibt es den Chor auch in Bern, Glarus, Luzern und bald in Basel.

«Dieser Chor beweist, dass Interkulturalität funktioniert, dass Ausländer und Schweizer zusammen gute Arbeit leisten», sagt Asciany Ambriz aus Mexiko. Dalva Geser aus Brasilien ergänzt: «Wir lachen viel. Mit Schweizern schliesst man nicht so leicht Freundschaft – ausser man macht etwas gemeinsam.»

Seit Beginn dabei ist Chorpräsidentin Zarina Tadjibaeva aus Tadschikistan. Sie schwärmt: «Wenn wir auf der Bühne singen, kriegen wir Gänsehaut.» Sie hat den Chor durch schwierige Zeiten geführt, die finanziell gesehen noch nicht überwunden sind. Die US-Amerikanerin Charla Hofstetter schreibt in der bald erscheinenden Jubiläumsschrift: «Wir sind eine grosse Familie. Wir helfen einander in musikalischer, sprachlicher und stimmlicher Hinsicht.» Sie ist Chorassistentin und probt mit dem Chor in Furchners Abwesenheit.

Die Idee eines Chors der Nationen in Zürich kam aus Dolmetscherkreisen, der Start 2011. Die Umsetzung wurde durch die Kirchgemeinde Felix und Regula mitgetragen. Das Ziel des Chores passe zu ihrem Profil als lokal-inter- nationale Pfarrei, erklärt Gemeindeleiterin Gertrud Würmli. Neben anderen ist auch der katholische Stadtverband Zürich Sponsor.

Text: Regula Pfeifer

Angebot laufend

Freitag, 4. November 2016, 20.00 Uhr
Kirche St. Peter, Zürich
Jahreskonzert des Chors der Nationen