Hilfe in der Not

Bei plötzlichen Todesfällen, Unfall oder Suizid helfen Notfallseelsorgende Angehörigen, das Ereignis zu verkraften.

Mitten in der Pfarreiarbeit, während des Religionsunterrichts oder zuhause beim Kochen werden Angehörige der ökumenischen Notfallseelsorge oft direkt von der Einsatzleitzentrale von Schutz und Rettung Zürich aufgeboten. «Mein Notfallrucksack steht bereit und wenn das Handy läutet, nehme ich sofort ab», sagt Spitalseelsorgerin Nadja Eigenmann. «Ich fahre aber nicht gleich los: Zeit für ein Glas Wasser und ein kurzes Gebet bleibt immer, damit ich nachher ganz da bin.»

Vor Ort betreuen die Notfallseelsorger die Angehörigen oder Zeugen eines tragischen Ereignisses an einem ruhigen, geschützten Ort, während oft noch Polizei oder Sanitäter da sind. «Wir versuchen, dem Ereignis Worte zu geben», erklärt David Bösl, Pastoralassistent in Herz Jesu Wiedikon. «Im Gehirn ist das Erlebte eingebrannt. Durch das Gespräch können wir die Gefühle und Wahrnehmungen benennen, das hilft, mit dem schockierenden Erlebnis umzugehen.»

Als Nächstes werden eigene Ressourcen gestärkt: Gibt es nahe stehende Menschen, die benachrichtigt werden können? Hilft ein Gebet, ein Abschiedsritual beim Toten, Atemübungen, um ruhiger zu werden? Gemeinsam werden die nächsten Schritte besprochen. «Das gibt Sicherheit», weiss Bösl. «Wir bleiben da, auch wenn Polizei und Sanität weg sind, bis Angehörige oder Freunde kommen. In einer Notsituation darf niemand allein bleiben», unterstreicht Nadja Eigenmann. «Manchmal lächeln die Betreuten, bevor ich gehe, oder umarmen mich. Das berührt mich und zeugt von der Hilfe, die sie gestärkt hat.» Mit einem Gebet übergibt sie die Menschen Gott, bevor sie sich wieder etwas anderem zuwendet.

Die Notfall-Seelsorgerinnen und -Seelsorger werden für ihre Aufgabe speziell ausgebildet und auf ihre Belastbarkeit geprüft. Teamleiter koordinieren bei grösseren Ereignissen oder bieten Seelsorger für eine bestimmte Situa- tion auf: «Manchmal braucht es eine Frau oder jemanden, der eine bestimmte Sprache spricht», sagt Bösl.

Vor Ort unterstehen die Seelsorger dem Einsatzleiter der Kantonspolizei, der unter anderem die Gefahrensituation für die Helfenden einschätzen muss. «Der Staat vertraut den Kirchen», erklärt Bösl. «Der Einsatz von Notfallseelsorgenden hilft mit, eine posttraumatische Störung zu verhindern.» 

Text: Beatrix Ledergerber-Baumer